Benzylalkohol

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Stand der Information: 24.03.2023

Synonyme: C7H8O, Phenylmethanol, Phenylcarbinol, E1519

Hintergrund:
Benzylalkohol wird als Konservierungsmittel, Lösungsmittel oder als Duftstoff (bei topischer Anwendung) eingesetzt [1].

Benzylalkohol wird hauptsächlich als Hilfsstoff in intramuskulär verabreichten Arzneimitteln verwendet, wie z. B. Antibiotika, entzündungshemmende oder antipsychotische Arzneimittel, bei denen seine betäubenden Eigenschaften den Schmerz an der Injektionsstelle verringern. Benzylalkohol ist auch in intravenös verabreichten Arzneimitteln enthalten, (Zytostatika, Heparine, Herz-Kreislauf-Medikamente). Schließlich wird Benzylalkohol als Konservierungsmittel in vielen topischen Zubereitungen, z. B. in antimykotischen und entzündungshemmenden Präparaten, angewendet [1].

Im Körper wird Benzylalkohol zu Benzoesäure metabolisiert [1].

Problematik:
Neugeborene (Früh- und Reifgeborene) können Benzylalkohol noch nicht ausreichend metabolisieren (über Benzoesäure zu Hippursäure), sodass es zu einer Akkumulation von Benzoesäure kommen kann.

Bei oraler oder parenteraler Anwendung:

Benzylalkohol wurde mit dem Risiko schwerwiegender Nebenwirkungen, einschließlich Atemproblemen (sogenanntes "Gasping- Syndrom") bei Kleinkindern in Verbindung gebracht [2].  Die Mindestmenge an Benzylalkohol, bei der Toxizität auftreten kann, ist nicht bekannt. Bei einer intravenösen Benzylalkohol Dosis von 100 - 200 mg/kg/Tag traten bei mehreren Frühgeborenen Symptome auf, die mit dem „Gasping-Syndrom“ in Verbindung gebracht werden (metabolische Azidose, Vasodilatation, Paralyse, epileptische Anfälle, Atemnot und Tod) [1,3,4].

Bei topischer Anwendung:

Benzylalkohol kann leichte lokale Reizungen hervorrufen [2].

Empfehlungen:
Bei oraler oder parenteraler Anwendung:

  • Keine Anwendung bei Früh- und Neugeborenen (unter 4 Wochen), außer es wird vom Arzt empfohlen [1,2].
  • Nicht länger als 1 Woche anwenden bei Kleinkindern (unter 3 Jahren), außer auf Anraten eines Arztes oder Apothekers [2].
  • Regelmäßige Kontrolle des Blutbildes, der Leber- und Nierenfunktion bei Langzeittherapie.
  • Vorsicht ist besonders auch bei Kombination mit Präparaten geboten, die zusätzlich Benzoesäure als Konservierungsmittel enthalten [5].

Referenzen:

1. European Medicines Agency. Questions and answers on benzyl alcohol used as an excipient in medicinal products for human use (EMA/CHMP/508188/2013), Stand: 09.10.2017, aufgerufen am: 24.04.2023
2. BfArM. Besonderheitenliste Benzylalkohol. Zugriff am: 24.04.2023
3. American Academy of Pediatrics. Benzyl alcohol: toxic agent in neonatal units. Pediatrics, 1983;72(3):356-8.
4. Gershanik J, Boecler B, Ensley H, McCloskey S, George W. The gasping syndrome and benzyl alcohol poisoning. New England Journal of Medicine. 1982;307(22):1384-8.
5. European Medicines Agency. Questions and answers on benzoic acid and benzoates used as excipients in medicinal products for human use (EMA/CHMP/508189/2013). Stand: 09.10.2017, Zugriff am 24.04.2023