Azathioprin ist ein inaktives Prodrug des 6-Mercaptopurins (6-MP), das als ein Purin Antagonist wirkt und erst nach zellulärer Aufnahme und intrazellulärer Umwandlung zu Thioguanin-Nukleotiden (TGN) immunsuppressiv wirkt. TGN und andere Metaboliten (z. B. 6-Methylmercaptopurin-Ribonukleotide) hemmen die De-novo-Purinsynthese und Purin-Nukleotid-Umwandlungen. TGN werden ebenfalls in Nukleinsäuren eingebaut, was zur immunsuppressiven Wirkung des Arzneimittels beiträgt.
Weitere potenzielle Wirkmechanismen von Azathioprin sind:
– Hemmung mehrerer Stufen der Nukleinsäuresynthese und dadurch Hemmung der Proliferation und Aktivität immunkompetenter Zellen (B- und T-Lymphozyten).
Infolge dieser Mechanismen kann die therapeutische Wirkung von Azathioprin erst nach mehreren Wochen oder Monaten der Behandlung erkennbar sein.
Übergewichtige Kinder:
In einer US-amerikanischen klinischen Studie wurden 18 Kinder im Alter zwischen 3 und 14 Jahren gleichmäßig in zwei Gruppen aufgeteilt; ausschlaggebend war das Gewichts-/Größen-Verhältnis größer oder kleiner der 75. Perzentile. Jedes Kind befand sich in einer Erhaltungsbehandlung mit 6-MP, wobei die Körperoberfläche Grundlage der Dosisberechnung war. Die mittlere AUC (0-∞) von 6-MP in der Gruppe größer der 75. Perzentile war 2,4-mal kleiner als die der Gruppe kleiner der 75. Perzentile. Daher benötigen übergewichtige Kinder unter Umständen Azathioprin- Dosen im oberen Bereich des Dosisspektrums und eine engmaschige Überwachung des Ansprechens auf die Behandlung. [SmPC Jayempi]
Filmtabletten 25 mg, 50 mg, 75 mg, 100 mg
Suspension 10 mg/mL
Pulver zur Herstellung einer Infusions- oder Injektionslösung 50 mg
Präparate im Handel (ausgewählte Beispiele):
| Präparat | Darreichungsform | Stärke (Azathioprin) | Applikationsweg | Natriumgehalt | Problematische Hilfsstoffe | Aroma | Anwendungshinweis | Altersangabe |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jayempi 10 mg/ml | Suspension zum Einnehmen | 10 mg/ml | oral | "natriumfrei" | Benzoesäure Sucralose |
Banane | Durch Schütteln redispergieren. Mindestens 1 Stunde vor oder frühestens 2 Stunden nach einer Mahlzeit oder dem Verzehr von Milch einzunehmen. |
Kinder und Jugendliche |
| Azafalk® 50mg/75mg/100mg Filmtabletten | Filmtabletten | 50 mgT0 75 mgT0 100 mgT0 |
oral | "natriumfrei" | Lactose | - | Unzerkaut und mit reichlich Flüssigkeit einzunehmen. | Kinder und Jugendliche |
| Azathioprin AL 25 mg/50 mg Filmtabletten |
Filmtabletten | 25 mgT0 50 mgT2 |
oral | "natriumfrei" | Lactose Polysorbat 80 |
- | Mindestens 1 Stunde vor oder 3 Stunden nach Einnahme einer Mahlzeit oder von Milch einnehmen. | Kinder und Jugendliche |
| Imurek i. v. | Pulver zur Herstellung einer Infusions- oder Injektionslösung | 50 mg | intravenös | "natriumfrei" | - | - | Rekonstitution gemäß Fachinfo. | Kinder und Jugendliche |
T2: teilbar in zwei gleiche Dosen, T0: nicht teilbar, „natriumfrei“: weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Einheit
Die Fachinformationen wurden am 02.01.2026 aufgerufen.
Neben den aufgeführten Präparaten befinden sich diverse weitere Fertigarzneimittel im Handel.
Lieferengpässe für Humanarzneimittel in Deutschland (ohne Impfstoffe)
| Autoimmunkrankheiten |
|---|
|
| Prophylaxe der Transplantatabstoßung |
|---|
|
| Atopische Dermatitis |
|---|
|
GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.
GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.
Sehr häufig (>10 %): virale, mykotische und bakterielle Infektionen bei Transplantatempfängern, die Azathioprin in Kombination mit anderen Immunsuppressiva erhalten, Leukozytopenie, Knochenmarkdepression
Häufig (1-10 %): Thrombozytopenie, Übelkeit (bisweilen mit Erbrechen)
Gelegentlich (0,1-1 %): virale, mykotische und bakterielle Infektionen bei den anderen Patienten, Anämie, Überempfindlichkeitsreaktionen, Pankreatitis, Cholestase, Schwangerschaftscholestase, anomaler Leberfunktionstest
Selten (0,01-0,1 %): Neoplasien (einschließlich lymphoproliferativer Erkrankungen), Hautkrebserkrankungen (Melanome und andere), Sarkome (Kaposi-Sarkome und andere) und In-situ-Karzinom der Cervix uteri, akute myeloische Leukämien und Myelodysplasien, Agranulozytose, Panzytopenie, aplastische Anämie, megaloblastische Anämie, Erythrozytenhypoplasie, Leberschäden, Haarausfall
Sehr selten (<0,01 %): nach Anwendung von Azathioprin zusammen mit anderen Immunsuppressiva wurde über Fälle von durch den JC-Virus verursachter PML berichtet, hepatosplenisches T-Zell-Lymphom bei CED-Patienten, die gleichzeitig andere anti-TNF-Arzneimittel anwenden, hämolytische Anämie, Stevens-Johnson-Syndrom, toxisch epidermale Nekrolyse, reversible Pneumonitis, Kolitis, Divertikulitis und Darmperforation bei Transplantatempfängern, schwere Diarrhö bei Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen
Häufigkeit nicht bekannt: Pellagra, nicht-zirrhotische portale Hypertonie, portosinusoidale Gefäßerkrankung, akute febrile neutrophile Dermatose (Sweet-Syndrom), Photosensibilitätsreaktion
Die vollständige Auflistung aller unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
Monitoring:
Zytostatika allgemein: Verschiedene Zytostatika können zu Hypersensivitätsreaktionen führen. Ein Notfallset (bestehend aus Epinephrin, Clemastin und Hydrocortison) muss im Behandlungsraum verfügbar sein. Außerdem enthält das Notfallset spezifische Antidote (falls vorhanden).
In einer US-amerikanischen klinischen Studie wurden 18 Kinder im Alter zwischen 3 und 14 Jahren gleichmäßig in zwei Gruppen aufgeteilt; ausschlaggebend war das Gewichts-/Größen-Verhältnis größer oder kleiner der 75. Perzentile. Jedes Kind befand sich in einer Erhaltungsbehandlung mit 6-MP, wobei die Körperoberfläche Grundlage der Dosisberechnung war. Die mittlere AUC (0 - ∞) von 6-MP in der Gruppe größer der 75. Perzentile war 2,4-mal kleiner als die der Gruppe kleiner der 75. Perzentile. Daher benötigen übergewichtige Kinder unter Umständen Azathioprin- Dosen im oberen Bereich des Dosisspektrums und eine engmaschige Überwachung des Ansprechens auf die Behandlung. [SmPC Imurek]
Wenn schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten oder die Wirkung nicht eintritt, kann ein abnormaler Arzneimittelstoffwechsel die Ursache dafür sein. Die Thiopurinmethyltransferase (TPMT) und die Nudixhydrolase (NUDT15) können zu unterschiedlichem Ansprechen führen. Eine Genotypisierung kann erwogen werden.
Für allgemeingültige Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen informieren Sie sich bitte in den aktuellen Fachinformationen.
Die standardisierte Wechselwirkungsrecherche des Kinderformulariums hat folgende klinisch relevante Wechselwirkungen ergeben:
| Interaktionspartner | Grund | Handlungsempfehlung |
| Clozapin | Erhöhung des Risikos und/oder der Schwere von Granulozytopenien/Agranulozytosen. | Kombination vermeiden. Falls Kombination nicht vermieden werden kann, muss das Blutbild besonders engmaschig überwacht werden. |
| Penicillamin | Erhöhtes Risiko für myelosuppressive Wirkungen (z.B. Anämie, Leukopenie). | Kombination vermeiden. Falls Kombination nicht vermieden werden kann, muss das Blutbild besonders engmaschig überwacht werden |
| Cimetidin | Erhöhtes Risiko für myelosuppressive Wirkungen (z.B. Anämie, Leukopenie). | Kombination vermeiden. Falls Kombination nicht vermieden werden kann, muss das Blutbild besonders engmaschig überwacht werden |
| Indometacin | Erhöhtes Risiko für myelosuppressive Wirkungen (z.B. Anämie, Leukopenie). | Kombination vermeiden. Falls Kombination nicht vermieden werden kann, muss das Blutbild besonders engmaschig überwacht werden |
| Lebendimpfstoffe (z.B. MMR, Rotaviren, BCG) | Dissemination des Impfkeims und beeinträchtigte Immunantwort möglich. | Kombination vermeiden. Die Impfung kann 3 Monate nach Absetzen von Azathioprin erfolgen. |
| Saccharomyces cerevisiae (boulardii) | Fungämien und generealisierte Hefeinfektionen möglich. | Kombination vermeiden. |
| ACE-Inhibitoren (z.B. Enalapril, Lisinopril) | Erhöhtes Risiko für myelosuppressive Wirkungen (z.B. Anämie, Leukopenie). | Kombination vermeiden. Falls Kombination nicht vermieden werden kann, muss das Blutbild besonders engmaschig überwacht werden. |
| Allergenextrakte | Verminderte Wirksamkeit der Hyposensibiliserung möglich. | Kombination vermeiden. |
| Ribavirin | Erhöhtes Risiko für myelosuppressive Wirkungen (z.B. Anämie, Leukopenie). | Kombination vermeiden. Falls Kombination nicht vermieden werden kann, muss das Blutbild besonders engmaschig überwacht werden |
| Allopurinol | Kombination kann zu einem erhöhten Plasmaspiegel von Azathioprin führen. Das Risiko für UAW steigt. | Bei Kombination muss die Dosis von Azathioprin um ca. 70% reduziert werden |
| Methotrexat | Verstärkte Hepato- und Hämatotoxizität. | Bei Kombination soll die Dosis von Azathioprin angepasst werden, um UAW zu vermeiden. |
| Aminosalicylate (z.B. Mesalazin, Sulfasalazin) | Erhöhtes Risiko für myelosuppressive Wirkungen (z.B. Anämie, Leukopenie). | Sorgfältige Überwachung bei gleichzeitiger Anwendung notwendig. |
| Suxamethonium | Die induzierte Skelettmuskelrelaxation wird durch Azathioprin verstärkt und verlängert. | Kombination vermeiden. Falls Kombination nicht vermieden werden kann, muss auf Anzeichen einer überhöhten und verlängerten Skelettmuskelrelaxation geachtet werden. |
| Antikoagulanzien (z.B. Warfarin, Phenprocoumon) | Senkung des antikoagulativen Effektes möglich. | Bei Kombination muss die Dosis von Antikoagulanzien erhöht werden. |
Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen und einschlägigen Wechselwirkungsdatenbanken zu entnehmen.
In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.
| Selektive Immunsuppressiva | ||
|---|---|---|
|
Orencia®
|
L04AA24 | |
|
Otezla®
|
L04AA32 | |
|
Olumiant®
|
L04AA37 | |
|
Arava®
|
L04AA13 | |
|
Cellcept®, Myfenax®, Mowel®, Myclausen; Syn: MMF, Mycophenolat, Mycophenolsäure
|
L04AA06 | |
|
Aubagio®
|
L04AA31 | |
|
Rinvoq®
|
L04AA44 | |
| Tumornekrosefaktor alpha (TNF-alpha)-Inhibitoren | ||
|---|---|---|
|
Humira®, Imraldi®, Halimatoz®, Hefiya®, Hulio®, Hyrimoz®, Idacio®, Amsparity®
|
L04AB04 | |
|
Enbrel® , Benepali® , Erelzi®
|
L04AB01 | |
|
Simponi®
|
L04AB06 | |
|
Remicade®, Inflectra®, Remsima®, Zessly®, Flixabi®
|
L04AB02 | |
| Interleukin-Inhibitoren | ||
|---|---|---|
|
Kineret®
|
L04AC03 | |
|
Simulect®
|
L04AC02 | |
|
Ilaris®
|
L04AC08 | |
|
Taltz®
|
L04AC13 | |
|
Enspryng®
|
L04AC19 | |
|
Cosentyx®
|
L04AC10 | |
|
RoActemra®
|
L04AC07 | |
|
Fymskina, Imuldosa, Otulfi, Stelara®
|
L04AC05 | |
| Calcineurin-Inhibitoren | ||
|---|---|---|
|
Sandimmun®, Immunosporin, Syn: CSA, Cyclosporin
|
L04AD01 | |
|
Advagraf®, Prograf®, Modigraf®, Crilomus®, Envarsus®, Dailiport®, Tacni®, Tacpan®, Tacro-cell®
|
L04AD02 | |
| Andere Immunsuppressiva | ||
|---|---|---|
|
Lantarel®, Metex®, Nordimet®, Trexject®; Syn: MTX; weitere ATC-Codes: M01CX01, L01BA01
|
L04AX03 | |
| IMMUNSUPPRESSIVA | ||
|---|---|---|
|
Orencia®
|
L04AA24 | |
|
Humira®, Imraldi®, Halimatoz®, Hefiya®, Hulio®, Hyrimoz®, Idacio®, Amsparity®
|
L04AB04 | |
|
Kineret®
|
L04AC03 | |
|
Otezla®
|
L04AA32 | |
|
Olumiant®
|
L04AA37 | |
|
Simulect®
|
L04AC02 | |
|
Benlysta®
|
L04AG04 | |
|
Ilaris®
|
L04AC08 | |
|
Sandimmun®, Immunosporin, Syn: CSA, Cyclosporin
|
L04AD01 | |
|
Soliris®
|
L04AJ01 | |
|
Enbrel® , Benepali® , Erelzi®
|
L04AB01 | |
|
Afinitor®, Certican®, Votubia®
|
L04AH02 | |
|
Gilenya®
|
L04AE01 | |
|
Simponi®
|
L04AB06 | |
|
Remicade®, Inflectra®, Remsima®, Zessly®, Flixabi®
|
L04AB02 | |
|
Taltz®
|
L04AC13 | |
|
Arava®
|
L04AA13 | |
|
Lantarel®, Metex®, Nordimet®, Trexject®; Syn: MTX; weitere ATC-Codes: M01CX01, L01BA01
|
L04AX03 | |
|
Cellcept®, Myfenax®, Mowel®, Myclausen; Syn: MMF, Mycophenolat, Mycophenolsäure
|
L04AA06 | |
|
Ultomiris®
|
L04AJ02 | |
|
Litfulo®
|
L04AF08 | |
|
Enspryng®
|
L04AC19 | |
|
Cosentyx®
|
L04AC10 | |
|
Rapamune®
|
L04AH01 | |
|
Advagraf®, Prograf®, Modigraf®, Crilomus®, Envarsus®, Dailiport®, Tacni®, Tacpan®, Tacro-cell®
|
L04AD02 | |
|
Aubagio®
|
L04AA31 | |
|
RoActemra®
|
L04AC07 | |
|
Xeljanz®
|
L04AF01 | |
|
Rinvoq®
|
L04AA44 | |
|
Fymskina, Imuldosa, Otulfi, Stelara®
|
L04AC05 | |
| Sphingosin-1-phosphat (S1P)-Rezeptor-Modulatoren | ||
|---|---|---|
|
Gilenya®
|
L04AE01 | |
| Janus-assoziierte Kinase (JAK)-Inhibitoren | ||
|---|---|---|
|
Litfulo®
|
L04AF08 | |
|
Xeljanz®
|
L04AF01 | |
| Monoklonale Antikörper | ||
|---|---|---|
|
Benlysta®
|
L04AG04 | |
| Mammalian target of rapamycin (mTOR)-Kinase-Inhibitoren | ||
|---|---|---|
|
Afinitor®, Certican®, Votubia®
|
L04AH02 | |
|
Rapamune®
|
L04AH01 | |
| Komplement-Inhibitoren | ||
|---|---|---|
|
Soliris®
|
L04AJ01 | |
|
Ultomiris®
|
L04AJ02 | |