Testosteron

Wirkstoff
Testosteron
Handelsname
Andriol, Nebido, Testogel, Testomed, Testotop, Testoviron, Tostran
ATC-Code
G03BA03

Zulassung
Dosierungsempfehlungen

Präparate
Pharmakodynamik und -kinetik
Nierenfunktionsstörungen
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Wechselwirkungen
Wirkstoffe der gleichen ATC-Klasse
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Pharmakodynamik

Testosteron ist das wichtigste männliche Androgen. Es wird hauptsächlich in den Hoden und in geringem Umfang in der Nebennierenrinde gebildet. Testosteron ist für die Ausbildung der männlichen Geschlechtsmerkmale während der fetalen, frühkindlichen und pubertären Entwicklung verantwortlich und erhält danach den maskulinen Phänotyp und die androgenabhängigen Funktionen (z. B. Spermatogenese, akzessorische Geschlechtsdrüsen) aufrecht.

Pharmakokinetik bei Kindern

Ein PK-Modell bei Erwachsenen wurde allometrisch skaliert auf Jungen im Alter von 12 bis 18 Jahren (30 – 60 kg), um subkutane und intramuskuläre Dosierungen von Testosteron (12,5 – 100 mg, wöchentlich, alle zwei Wochen oder monatlich) zu simulieren. Das finale Pop-PK-Modell mit fixed-effect Parametern schätzt für subkutane und intramuskuläre Dosierungen von Testosteronenantat bei Jugendlichen folgende Clearance [Vogiatzi et al. 2023]:

  s.c. Testosteronenantat (97,5 % Central Clearance) i.m. Testosteronenantat (97,5 % Central Clearance)
Cl (L/h) 60,8 (50,3 – 71,3) 50,6 (30,1 – 71)


In einer klinischen Studie wurden Testosteronenantat (Testoviron Depot 75 mg i.m. monatlich, n = 12) und Testosteronundecanoat (Nebido 250 mg i.m. alle 3 Monate, n = 14) zur Pubertätsinduktion bei Jungen (14 – 16 Jahre) mit verzögerter Pubertät verglichen. Sowohl Testosteronenantat als auch Testosteronundecanoat erreichten physiologische Testosteronspiegel und einen ähnlichen Pubertätsverlauf [Österbrand et al. 2023].

Eine prospektive Studie untersuchte vier Jungen (12,7 – 17,1 Jahre) mit konstitutioneller Pubertätsverzögerung und/oder Kleinwuchs, die täglich 40 mg orales Testosteronundecanoat erhielten. Tmax, Spitzenspiegel und mittlerer Gesamt-Testosteronspiegel wurden untersucht. Die Studie bestätigte die inter- und intraindividuelle Variabilität des Zeitpunkts der höchsten Testosteronkonzentration bei Jungen [Butler et al. 1992].

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Pubertätsinduktion bei Pubertas tarda: Hypogonadismus
    • intramuskulär, Testosteronenantat
      • ≥12 Jahre bis <18 Jahre: zugelassen
    • intramuskulär, Testosteronundecanoat
      • ≥12 Jahre bis <18 Jahre: off-label
    • transdermal
      • ≥12 Jahre bis <18 Jahre: off-label
    • oral
      • ≥12 Jahre bis <18 Jahre: off-label
  • Priming vor Wachstumshormonstimulationstest
    • intramuskulär
      • ≥ 10 Jahre: off-label
  • Pubertätsinduktion bei Pubertas tarda: Konstitutionell verzögertes Wachstum und Pubertät (CDGP)
    • intramuskulär, Testosteronenantat
      • ≥14 Jahre bis <18 Jahre: off-label
    • transdermal
      • ≥14 Jahre bis <18 Jahre: off-label
    • oral
      • ≥14 Jahre bis <18 Jahre: off-label

Auszug aus Fachinformation Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Intramuskulär zur Testosteronersatztherapie bei männlichem Hypogonadismus, wenn der Testosteronmangel klinisch und labormedizinisch bestätigt wurde

Bei Therapiebeginn in der Pubertät sollte zunächst über einen Zeitraum von einem Jahr mit 100 mg Testosteronenantat i.m. alle 2 bis 3 Wochen behandelt werden.
Für die Langzeitsubstitution bei Hypogonadismus wird 250 mg Testosteronenantat i.m. alle 2 bis 3 Wochen als Richtwert empfohlen. Die individuelle Dosierung kann dem klinischen Bild und den gemessenen Testosteronserumspiegel entsprechend abgewandelt werden.

Intramuskulär zur Pubertätsinduktion bei Pubertas tarda des Knaben

Empfohlen wird 250 mg Testosteronenantat i.m. pro Monat über einen Behandlungszeitraum von 3 Monaten. Bei Ausbleiben des Therapieerfolges kann nach 3 bis 6 Monaten eine zweite Behandlungsphase mit gleicher Dosierung angeschlossen werden.

Intramuskulär zur Unterdrückung eines übermäßigen Längenwachstums bei Knaben

Empfohlen wird eine Dosierung von 500 mg Testosteronenantat i.m. alle 2 Wochen über einen Behandlungszeitraum von 1 bis 2 Jahren. Die Behandlung sollte vor dem 14. Lebensjahr beginnen.

[Ref.]

weitere zugelassene Indikationen bei Erwachsenen:

Intramuskulär bei chronischer Form der aplastischen Anämie

[Ref.]

Transdermal als Testosteronersatztherapie bei männlichem Hypogonadismus, wenn der Testosteronmangel klinisch und labormedizinisch bestätigt wurde

[Ref.]

Oral als Testosteronersatztherapie bei männlichem Hypogonadismus, wenn der Testosteronmangel klinisch und labormedizinisch bestätigt wurde

[Ref.]

Präparate im Handel

Injektionslösung (Testosteronenantat) 250 mg/mL
Injektionslösung (Testosteronundecanoat ) 1.000 mg/Ampulle (250 mg/mL) (nur für Erwachsene zugelassen)
Transdermales Gel (Testosteron) im Beutel 40,5 mg/Beutel, 50 mg/Beutel (nur für Erwachsene zugelassen)
Transdermales Gel (Testosteron) als Dosiergel 10 mg/Pumpenhub, 20,25 mg/Pumpenhub, 23 mg/Pumpenhub, 62,5 mg/Pumpenhub (nur für Erwachsene zugelassen)
Kapseln (Testosteronundecanoat) 40 mg (nur für Erwachsene zugelassen)

Testosteronpräparate unterscheiden sich je nach Hersteller aufgrund ihrer unterschiedlichen Salzzusammensetzungen und die Präparate sind nicht bioäquivalent. 

250 mg Testosteronundecanoat ≙ 157,9 mg Testosteron

Präparate im Handel (ausgewählte Beispiele):

Präparat Darreichungsform Stärke
Applikationsweg Problematische Hilfsstoffe Anwendungshinweis Altersangabe
Testosteron-Depot 250 mg EIFELFANGO® Injektionslösung Testosteronenantat: 
250 mg/mL
intramuskulär Benzylbenzoat Sehr langsame i.m. Injektion zur Vermeidung von Hustenreiz, Hustenanfälle, Atemnot. Tief in den Gesäßmuskel. "Knaben"
Testosteron Depot PANPHARMA Injektionslösung Testosteronenantat: 
250 mg/mL
intramuskulär Benzylbenzoat ab 6 Jahren
Testoviron®-Depot-250 Injektionslösung Testosteronenantat: 
250 mg/mL
intramuskulär Benzylbenzoat ab 12 Jahren
Nebido® 1000 mg Injektionslösung Injektionslösung Testosteronundecanoat:
1.000 mg/Ampulle (250 mg/mL)
intramuskulär Benzylbenzoat männliche Erwachsene
TESTAVAN® 20 mg/g transdermales Gel Transdermales Gel Testosteron:
20 mg/g
(23 mg/Pumpenhub)
transdermal Ethanol
Propylenglykol
Mittels Applikator  zur gleichen Tageszeit, vorzugsweise morgens auf die saubere, trockene, intakte Haut am Oberarm oder an der Schulter auftragen männliche Erwachsene
TESTOGEL® Transdermales Gel Testosteron:
im Beutel:
50 mg/5 g (= Beutel)
40,5 mg/2,5 g (= Beutel)
als Dosiergel:
16,2 mg/g (20,25 mg/Pumpenhub)
transdermal Ethanol   männliche Erwachsene
Testotop® Transdermales Gel Testosteron:
im Beutel:
25 mg/g (62,5 mg/2,5 g = Beutel)
125 mg/5 g (= Beutel)
als Dosiergel:
25 mg/g (62,5 mg/Pumpenhub)
transdermal Ethanol
Propylenglykol
- männliche Erwachsene
Tostran 20 mg/g transdermales Gel Transdermales Gel Testosteron:
20 mg/g
(10 mg/Pumpenhub)
transdermal Ethanol
Propylenglykol
Butylhydroxytoluol
siehe Fachinformation männliche Erwachsene
Andriol Kapsel Testosteronundecanoat:
40 mg
oral Propylenglykol Einnahme mit der Mahlzeit. Erwachsene


Die Fachinformationen wurden am 30.04.2026 aufgerufen.

Neben den aufgeführten Präparaten befinden sich diverse Generika im Handel.

Lieferengpässe/weitere praktische Informationen

Lieferengpässe für Humanarzneimittel in Deutschland (ohne Impfstoffe)

Hinweis

  • Das exakte Alter für den Start der Therapie hängt von den individuellen Wünschen und Umständen des Patienten ab.
  • Dosissteigerungen sollten auf die Anamnese und individuellen Bedürfnisse des einzelnen Patienten abgestimmt werden.

Dosierungsempfehlungen

Pubertätsinduktion bei pubertas tarda: hypogonadismus
  • Intramuskulär
    • Jungen 12 Jahre bis 18 Jahre
      [11] [14]
      • Testoviron® Depot 250 mg/mL (Testosteronenantat):
        - Monat 1–6: 50 mg alle 4 Wochen
        - Monat 7–12: 100 mg alle 4 Wochen
        - Monate 13–24: 250 mg alle 4 Wochen
        - Monate 25–36: 250 mg alle 3 Wochen

        Nebido®/Testomed® 1.000 mg (Testosteronundecanoat):
        - >24 Monate Therapie und nach Abschluss des Wachstums: 1 Injektion alle 10–14 Wochen
        Die Evidenz für die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Präparate bei Jungen in dieser Indikation ist begrenzt.

        teilweise off-label (siehe Zulassung)

  • Transdermal
    • Jungen 12 Jahre bis 18 Jahre
      [1] [3] [10] [12]
      • Tostran Gel 20 mg/g:
        - Monat 1-6: 10 mg/Dosis/Tag
        - Monat 7-18: 20 mg/Dosis/Tag
        - Monat 19-24: 30 mg/Dosis/Tag
        - >24 Monate Therapie, wenn das Wachstum NICHT abgeschlossen ist: 30 mg/Dosis/Tag
        - >24 Monate Therapie, wenn das Wachstum abgeschlossen ist: 60 mg/Dosis/Tag
        Testogel (Androgel) 16,2 mg/g:
         - Monat 1-24: 20,25 mg (= 1 Pumpenhub)/Dosis jeden 2. Tag
        - >24 Monate Therapie, wenn das Wachstum NICHT abgeschlossen ist: 20,25 mg/Dosis/Tag
        - >24 Monate Therapie, wenn das Wachstum abgeschlossen ist: 40,5 mg  (= 2 Pumpenhübe) oder 61 mg (= 3 Pumpenhübe)/Dosis/Tag
        Testavan® 20 mg/g Gel:
         - Monat 1-24: 23 mg (= 1 Pumpenhub)/Dosis jeden 2. Tag
        - >24 Monate Therapie, wenn das Wachstum NICHT abgeschlossen ist: 23 mg (= 1 Pumpenhub)/Dosis/Tag
        - >24 Monate Therapie, wenn das Wachstum abgeschlossen ist: 46 mg (= 2 Pumpenhübe) oder 69 mg (=3 Pumpenhübe)/Dosis/Tag

        off-label

  • Oral
    • Jungen 12 Jahre bis 18 Jahre
      [4] [13]
      • - Monat 1-12: 40 mg/Dosis/Tag
        - Monat 13-24: 80 mg/Tag in 2 Dosen 
        - >24 Monate: 120 mg/Tag in 2 Dosen (80 mg morgens and 40 mg abends) 

        off-label

Priming vor Wachstumshormonstimulationstest
  • Intramuskulär
    • Jungen ≥ 10 Jahre
      [1] [2] [7]
      • Testoviron® Depot 250 mg/mL (Testosteronenantat): 50-100 mg/Dosis 3-10 (i.d.R. 7) Tage vor dem Test

        off-label

Pubertätsinduktion bei Pubertas tarda: Konstitutionell verzögertes Wachstum und Pubertät (CDGP)
  • Intramuskulär
    • Jungen 14 Jahre bis 18 Jahre
      [1] [14]
      • Testoviron® Depot 250 mg/mL (Testosteronenantat):
        - Monat 1-6: 100 mg alle 4 Wochen
        - Monat 7-12: Therapie aussetzen
        - Monat 12: Weitere Dosistitration gemäß Therapieleitlinien je nach klinischem Bild und/oder Laborwerten.

        off-label

  • Transdermal
    • Jungen 14 Jahre bis 18 Jahre
      [3]
      • Tostran Gel 20 mg/g: 10 mg/Dosis/Tag

        Testogel (Androgel) 16,2 mg/g: 20,25 mg (= 1 Pumpenhub)/Dosis jeden 2. Tag

        Weitere Dosistitration gemäß Therapieleitlinien je nach klinischem Bild und/oder Laborwerten.

        off-label

  • Oral
    • Jungen 14 Jahre bis 18 Jahre
      [1] [5] [6] [8] [9]
      • - 40 mg/Dosis/Tag mit der Mahlzeit
        - Max.: 160 mg/Tag in 2 Dosen
        - Weitere Dosistitration gemäß Therapieleitlinien je nach klinischem Bild und/oder Laborwerten.

      • off-label

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Transdermal:
In allen Studien wurde transdermales Testosteron im Allgemeinen gut vertragen. Die Leberenzymwerte tendierten während der Behandlung zu einer Verbesserung oder Normalisierung [Contreras 2017]. In einer anderen Studie traten in einigen Fällen Störungen der Leberfunktion auf. Die spezifische Formulierung, die den Jungen verabreicht wurde, wurde nicht angegeben [Lucas-Herald 2018].
Reaktionen an der Applikationsstelle waren selten, bei 14 % der Patienten trat Akne auf, was bei dieser Population aufgrund pubertärer Veränderungen zu erwarten ist. Die am häufigsten berichteten unerwünschten Ereignisse waren Husten (27,6 %), Akne (13,8 %) und Kopfschmerzen (13,8 %) [Rogol 2014].

Intramuskulär:
Nebenwirkungen sind gering. Bei 148 Patienten wurden zwei Fälle von schmerzhaften spontanen Erektionen berichtet. Bei allen behandelten Jungen wurde über eine psychische Zufriedenheit berichtet, im Vergleich zu 40 % in der Kontrollgruppe [Soliman 1995]. In einer anderen Studie traten bei acht Jungen (100 %) während der Therapie Erektionen und nächtliche Samenergüsse auf, die auch nach Absetzen der Behandlung anhielten [de Lange 1979]. In einer weiteren Kohortenstudie traten bei fünf Jungen (2,7 %) Nebenwirkungen auf: Zwei, die 125 mg Testosteronenantat erhielten, erlitten einen schweren Low-Flow-Priapismus, der eine Intervention erforderte. Ein Junge, der 50 mg Testosteronenantat erhielt, hatte einen selbstlimitierenden Priapismus und Hodenschmerzen. Zwei weitere Jungen, die 50 mg Testosteronenantat erhielten, berichteten über Hodenschmerzen. Bei einer Dosis von 250 mg Testosteronenantat wurden keine Nebenwirkungen beobachtet [Albrecht 2018].

Oral:
In einer Studie kam es bei einigen Jungen zu einer transienten Unterdrückung von LH und FSH ohne damit assoziierten unerwünschten klinischen Ergebnissen [Lawaetz 2015]. In einer anderen Studie blieben die Leberenzymwerte bei den Patienten stabil, allerdings warnen die Autoren vor gelegentlichen, kurzzeitigen Androgenspitzen nach der Gabe von 40 mg Testosteronundecanoat, über die an anderer Stelle berichtet wurde [Gregory 1992].

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Transdermal:

Häufig (1-10 %): Stimmungsschwankungen, Schwindel, Parästhesie, Amnesie, Hyperästhesie, Hypertonie, Diarrhoe, Haarausfall, Nesselsucht, Gynäkomastie (die persistieren kann; häufig bei Patienten, die wegen Hypogonadismus behandelt werden), Mastodynie, Prostatabeschwerden, Kopfschmerzen, Veränderungen von Laborwerten (Polyzythämie, Lipide), Anstieg des Hämatokrits, Anstieg der Erythrozyten, Anstieg des Hämoglobins

Selten (0,01-0,1 %): Neoplasien in der Leber, Priapismus

Sehr selten (<0,01 %): Gelbsucht, abnorme Leberfunktionstests

Häufigkeit nicht bekannt: Prostatakarzinom, Gewichtszunahme, Elektrolytveränderungen (Retention von Natrium, Chlorid, Kalium, Calcium, anorganischen Phosphaten und Wasser) bei längerer Behandlung und/oder hoher Dosierung, Nervosität, Depression, Feindseligkeit, Schlafapnoe, Akne, Seborrhoe, Glatzenbildung, Muskelkrämpfe, Harnverhalten, Libidoveränderungen, häufigere Erektionen; eine Therapie mit hohen Dosen Testosteron unterdrückt oder verringert, im Allgemeinen reversibel, die Spermatogenese und führt dadurch zu einer Verkleinerung der Hoden; Prostataanomalien; eine langfristige Therapie oder eine Therapie mit hohen Dosen Testosteron kann gelegentlich zu Wasserretention und Ödemen führen

Intramuskulär:

Häufig (1-10 %): Anstieg des Hämatokriten / der Erythrozyten / des Hämoglobins

Selten (0,01-0,1 %): pulmonale Öl- Mikroembolie

Häufigkeit nicht bekannt: benigne und maligne Lebertumoren, Polyzythämie (Erythrozytose), Überempfindlichkeitsreaktionen, Gewichtszunahme, Veränderungen der Elektrolytwerte (Retention von Natrium-, Chlorid-, Kalium-, Kalzium und Phosphat-Ionen und von Wasser) bei hoher Dosierung und/oder Langzeittherapie, Appetitzunahme, Hypercholesterinämie, Anstieg der Triglyzeride im Blut, Anstieg des Cholesterin im Blut, Psychische Störungen wie z. B. Nervosität, Aggressivität, Depression, Kopfschmerzen und Müdigkeit, Migräne, Tremor, Schlafapnoe, Infektionen der oberen Atemwege, Bronchitis, Sinusitis, Schnarchen, Verstopfung, Durchfall, Meteorismus und abdominale Schmerzen, Gelbsucht und abnorme Leberfunktionstests, Abnahme des Harnflusses, Harnverhaltung, Harnwegsstörung, Nykturie, Dysurie, verschiedene Hautreaktionen (einschließlich Akne, Rötung, Urtikaria, Juckreiz und Haarausfall [Alopezie]), trockene Haut, Muskelstörung,Steifigkeit in der Skelettmuskulatur, Libidoveränderungen, erhöhte Erektionshäufigkeit; die hoch dosierte Anwendung von Testosteronpräparaten bewirkt im Allgemeinen eine reversible Unterbrechung oder Verminderung der Spermatogenese und dadurch eine Abnahme der Hodengröße; eine Testosteronersatztherapie bei Hypogonadismus kann in seltenen Fällen schmerzhafte Dauererektionen (Priapismus), abnormaler Untersuchungsbefund der Prostata, benigne Prostatahyperplasie, Prostatadysplasie, Verhärtung der Prostata, Prostatastörungen, Prostatitis, Prostatakrebs* sowie Harnabflussbehinderungen verursachen. Brustschmerz, Gynäkomastie, Verhärtung der Brust, verschiedene Arten von Reaktionen an der Injektionsstelle (Schmerzen an der Injektionsstelle, Rötung an der Injektionsstelle, Verhärtungen an der Injektionsstelle, Schwellungen an der Injektionsstelle, Entzündung an der Injektionsstelle), Anstieg des prostataspezifischen Antigens / Aspartat-Aminotransferase / des Glykohämoglobin / des Estradiols / der Kreatinphosphokinase im Blut

Oral:

Häufig (1-10 %): Gewicht erhöht, Anstieg des Hämatokriten / der Erythrozyten / des Hämoglobins

Häufigkeit nicht bekannt: Prostatakarzinom, Polyzythämie, Flüssigkeitsretention, Depression, Nervosität, Stimmungsschwankungen, gesteigerte / verminderte Libido, Hypertonie, Übelkeit, Leberfunktionsstörung, Pruritus, Akne, Myalgie, Gynäkomastie, Oligozoospermie, Priapismus, benigne Prostatahyperplasie, anomale Lipide, erhöhter PSA-Wert

Die vollständige Auflistung aller unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

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Haben Sie den Verdacht auf eine Nebenwirkung?

Die Meldung ist sehr wichtig, um das Nutzen-Risiko-Verhältnis eines Arzneimittels ständig zu überwachen. Das gilt besonders, wenn Medikamente bei Kindern außerhalb der zugelassenen Anwendung (off-label) eingesetzt werden.

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Kontraindikationen allgemein

Transdermal:

  • bekanntes Prostatakarzinom oder Brustkrebs bzw. einem entsprechenden Verdacht

Intramuskulär: 

  • androgenabhängige Karzinome der Prostata oder der männlichen Brustdrüse
  • vorausgegangene oder bestehende Lebertumore
  • Hyperkalzämie bei malignen Tumoren
  • Neugeborene
  • Kleinkinder
  • Frauen

Oral:

  • bekanntes Prostatakarzinom oder Brustkrebs bzw. einem entsprechenden Verdacht
  • Hyperkalzämie bei malignen Tumoren

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Die Anwendung von Androgenen bei präpubertären Jungen muss unter sorgfältiger Kontrolle stattfinden, um eine vorzeitige Schließung der Epiphysenfugen oder eine vorzeitige Geschlechtsreife zu vermeiden.

Die Indikation „Wachstumshemmung“ wurde 2026 aus dem Kinderformularium entfernt. Eine hochdosierte Testosterontherapie hat keinen signifikanten Einfluss auf die endgültige Körpergröße von Jungen, die von Natur aus groß sind. Obwohl Beobachtungen zur langfristigen Fruchtbarkeit unbeeinflusst erscheinen, deuten anhaltende hormonelle Veränderungen, darunter erhöhte FSH-Werte und niedrigere Serumtestosteronwerte, auf mögliche subklinische Auswirkungen der Fortpflanzungsfähigkeit hin. Diese Erkenntnisse untermauern die aktuelle Empfehlung, hohe Testosterondosen zur Wachstumshemmung zu vermeiden, da das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer geringen bis nicht vorhandenen Wirksamkeit und möglichen langfristigen Risiken ungünstig ist. [Tellingen et al. 2023; de Waal et al. 1995; Hendriks et al. 2010]

"Priming vor Wachstumshormonstimulationstest" sollte nicht bei Jungen mit Anzeichen eines beginnenden Pubertätsbeginns durchgeführt werden.

Bei Kindern kann Testosteron durch die periphere Umwandlung zu Estrogen die Knochenreifung beschleunigen und damit eine Verminderung der Endgröße bewirken. [SmPC Testoviron®-Depot-250]

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Für allgemein gültige Warnhinweise und Vorsichtmaßnahmen informieren Sie sich bitte in den aktuellen Fachinformationen. Diese finden Sie hier.

Wechselwirkungen

Interaktionspartner Grund Handlungsempfehlung
Antidiabetika Testosteron kann die Glucosetoleranz und die periphere Insulinresistenz verändern. Bei gleichzeitiger Behandlung insbesondere zu Beginn sorgfältige Überwachung der Blutglucosekonzentration und ggf. Dosisreduktion der Antidiabetika.
Vitamin-K-Antagonisten, z.B. Phenprocoumon Verstärkte Wirkung der Antikoagulanzien durch Änderung der Gerinnungsfaktoren-Synthese in der Leber und kompetitive Hemmung der Plasmaproteinbindung möglich. Sorgfältige Überwachung der Blutgerinnungsparameter (INR), insbesondere zu Beginn und Ende der Testosteron-Therapie, ggf. Dosisanpassung.
ACTH und Corticosteroide Verstärkte Wasserretention durch additive steroidale Effekte. Erhöhtes Risiko für die Bildung von Ödemen. Bei gleichzeitiger Behandlung Monitoring auf Ödeme. Besondere Vorsicht bei Patienten mit Herz-, Nieren oder Lebererkrankungen.

 

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen und einschlägigen Wechselwirkungsdatenbanken zu entnehmen.

ANDROGENE

In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.

Referenzen

  1. G. Bocca et al., Werkboek Kinderendocrinologie: Hoofdstuk 38. Kleine lengte/trage groei door familiaire late puberteit/trage rijping - Therapeutisch beleid, digitale publicatie op www.nvk.nl (alleen leden), 16-02-2023, https://nvk.medonline.nl/kinderendocrinologie/kleine-lengte-trage-groei-door-familiaire-late-puberteit-trage-rijping/
  2. Gönç EM, et al., Final heights of boys with normal growth hormone responses to provocative tests following priming, Pediatr Endocrinol Metab, 2008, 21(10), 963-71
  3. Chioma L, et al, Use of testosterone gel compared to intramuscular formulation for puberty induction in males with constitutional delay of growth and puberty: a preliminary study, Journal of endocrinological investigation, 2018, 41(2), 259-63
  4. Ahmed S, et al., Randomized, crossover comparison study of the short-term effect of oral testosterone undecanoate and intramuscular testosterone depot on linear growth and serum bone alkaline phosphatase, Pediatr Endocrinol Metab, 2004, 147(7), 941-50
  5. Gregory JW, et al., Effects of oral testosterone undecanoate on growth, body composition, strength and energy expenditure of adolescent boys, Clinical Endocrinol, 1992, 37(3), 207-13
  6. Albanese A, et al., Oral treatment for constitutional delay of growth and puberty in boys: a randomised trial of an anabolic steroid or testosterone undecanoate, Arch Dis Child, 1994, 71(4), 315-7
  7. Gönç EM, et al. , Comparison of stimulated growth hormone levels in primed versus unprimed provocative tests. Effect of various testosterone doses on growth hormone levels, Horm Res, 2001, 56(1-2), 32-7
  8. Butler G, et al., Oral testosterone undecanoate in the management of delayed puberty in boys: pharmacokinetics and effects on sexual maturation and growth, Clin Endocrinol Metab, 1992, 75(1), 37-44
  9. Lawaetz JG, et al. , Evaluation of 451 Danish boys with delayed puberty: diagnostic use of a new puberty nomogram and effects of oral testosterone therapy, Clin Endocrinol Metab, 2015, 100(4), 1376-85
  10. Contreras M, et al., Transdermal testosterone gel for induction and continuation of puberty in adolescent boys with hepatic dysfunction, Pediatr Endocrinol Metab, 2017, 30(1), 105-09
  11. Österbrand M, et al., Pharmacological treatment for pubertal progression in boys with delayed or slow progression of puberty: A small-scale randomized study with testosterone enanthate and testosterone undecanoate treatment, Front Endocrinol, 2023, 14, 1158219
  12. Rogol A, et al, A multicenter, open-label, observational study of testosterone gel (1%) in the treatment of adolescent boys with klinefelter syndrome or anorchia, Adolesc Health, 2014, 54(1), 20-5
  13. Lucas-Herald AK, et al., Single-Centre Experience of Testosterone Therapy for Boys with Hypogonadism, Hormone research in paediatrics, 2018, 90(2), 123-27
  14. Sas, T., & Vlaardingerbroek, H., Overview of treatment options for induction of puberty and pubertas tarda - Expert Opinion, Dutch Paediatric Association, 02-2025, ttps://www.nvk.nl/kennisdocument/overzicht-behandelmogelijkheden-inductie-van-puberteit-en-pubertas-tarda/
  15. PANPHARMA GmbH, SmPC Testosteron Depot PANPHARMA 250 mg/ml Injektionslösung (6199562.00.00), 02/2020
  16. Besins Healthcare Germany GmbH, SmPC TESTOGEL® 50 mg transdermales Gel im Beutel (54563.00.00), 06/2021
  17. Ferring Arzneimittel GmbH, SmPC TESTAVAN® 20 mg/g transdermales Gel (99264.00.00), 12/2019

Änderungsverzeichnis

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung