Doxycyclin

Wirkstoff
Doxycyclin
Handelsname
Doxakne tabs®, Oraycea®
ATC-Code
J01AA02

Zulassung
Dosierungsempfehlungen

Präparate
Pharmakodynamik und -kinetik
Nierenfunktionsstörungen
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Wechselwirkungen

Überdosierung
Wirkstoffe der gleichen ATC-Klasse
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Pharmakodynamik

Doxycyclin ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Tetracycline. Der Wirkungsmechanismus von Doxycyclin beruht auf einer Hemmung der Proteinbiosynthese durch reversible Blockade der Bindungsstelle der Aminoacyl-t-RNS an der 30S-Untereinheit des Ribosoms, wodurch die Elongation der Peptidkette unterbrochen wird. Hieraus resultiert eine vorwiegend bakteriostatische Wirkung.

Keimspektrum

In der Regel empfindliche Keime sind: Gram-positive Aerobier: Actinomyces israelii, Bacillus anthracis, Corynebacterium diphtheriae und C. ulcerans, Listeria monocytogenes, Staphylococcus aureus, Staphylococcus aureus (Methicillin-sensibel), Staphylococcus aureus (Methicillin-resistent), Tropheryma whippelii; Gram-negative Aerobier: Bartonella henselae, Borrelia burgdorferi, Burkholderia mallei, Burkholderia pseudomallei, Brucella spp., Francisella tularensis, Haemophilus ducreyi, Haemophilus influenzae, Moraxella catarrhalis, Pasteurella multocida, Vibrio cholerae, Vibrio parahaemolyticus, Yersinia enterocolitica, Yersinia pestis; Anaerobier: Cutibacterium acnes; andere Mikroorganismen: Chlamydia trachomatis, Chlamydia pneumoniae, Chlamydia psittaci, Ehrlichia spp., Leptospira spp., Mycoplasma hominis, Mycoplasma pneumoniae, Rickettsia spp., Treponema pallidum, Ureaplasma urealyticum

Erworbene Resistenzen können ein Problem bei folgenden Keimen darstellen: Gram-positive Aerobier: Staphylococcus epidermidis, Staphylococcus haemolyticus, Staphylococcus hominis, Streptococcus agalactiae, Streptococcus pneumoniae; Gram-negative Aerobier: Campylobacter coli, Campylobacter jejuni

Unempfindlich sind: Gram-negative Aerobier: Morganella morganii, Proteus spp., Pseudomonas aeruginosa

Pharmakokinetik bei Kindern

Nach oraler Einnahme ist die Resorption nahezu vollständig; die Cmax wird nach etwa 2 Stunden erreicht, die Plasmakonzentration im Steady State nach 4 Tagen. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt etwa 20 Stunden. Aufgrund der relativ langen Halbwertszeit wird eine Initialdosis von Doxycyclin empfohlen. Der genaue Metabolismus ist unbekannt, jedoch werden die Doxycyclin-Konzentrationen durch starke CYP3A4-Induktoren gesenkt. Es unterliegt einem enterohepatischen Kreislauf. Nach oraler Verabreichung wird Doxycyclin primär unverändert (ca. 40 %) im Urin ausgeschieden. Der Rest (20–50 %) wird nach Diffusion in das Darmlumen als inaktiver Komplex mit dem Stuhl ausgeschieden. [SmPC]
Bei Erwachsenen beträgt das Verteilungsvolumen 0,7–1,4 L/kg und die Halbwertszeit 12 bis 25 Stunden.

Kinder
In einer Studie mit 10 Kindern im Alter von >24 Monaten, die jeweils eine Dosis Doxycyclin von 4 mg/kg (N = 5 Kinder) oder 2 mg/kg (N = 5 Kinder) erhielten, betrug das scheinbare Verteilungsvolumen 0,859 bis 1,841 L/kg des tatsächlichen Körpergewichts (kg) und die Halbwertszeit 11,18 bis 8,89 Stunden [Ceccarelli et al. 1971].

In einer populationspharmakokinetischen Studie wurden bei Kindern (insgesamt N=47, davon N=14 ≤8 Jahre), die eine Doxycyclin-Behandlung als antimikrobielle Therapie (alle Indikationen) mit einer Median-Dosis von 1,69 (0,88–2,94) mg/kg erhielten, die folgenden individuellen empirischen Bayes’schen Post-hoc-Parameterschätzungen ermittelt [Thompson et al. 2019]:

Parameter Anzahl N CL (L/kg/h)* V (L/kg)* Halbwertszeit (h)*
Alter
<2 Jahre 3 0,059 (0,050 - 0,077) 1,50 (1,41 - 1,91) 17,7 (12,6 - 26,5)
Alter + Gewicht        
≥2 bis ≤8 Jahre 11 0,068 (0,041 - 0,202) 1,43 (1,02 - 2,56) 17,2 (5,8 - 24,0)
≤45 kg 10 0,071 (0,041 - 0,202) (p=0.86) 1,51 (1,02 - 2,56) (p=0,29) 16,9 (5,8 - 24,0) (p=0,79)
>45 kg 1 0,050 1,43 19,9
 
>8 Jahre 33 0,047 (0,014 - 0,126) 1,25 (0,38 - 3,18) 20,4 (4,8 - 41,3)
≤45 kg 8 0,081 (0,035 - 0,126) 1,16 (0,87 - 3,18) 15,2 (4,8 - 30,5)
>45 kg 25 0,044 (0,014 - 0,121) 1,26 (0,38 - 2,93) 20,4 (6,3 - 41,3)
 
Gesamt 47 0,051 (0,014 - 0,202) 1,36 (0,38 - 3,18) 18,8 (4,8 - 41,3)

*Median (Range oder p-Wert)

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Bakterielle Infektionen/ Schwere bakterielle Infektionen
    • oral
      • ≥1 Monat bis <8 Jahre: off-label 
      • ≥8 Jahre bis <18 Jahre: zugelassen
    • intravenös
      • ≥1 Monat bis <8 Jahre: off-label
      • ≥8 Jahre bis <18 Jahre: zugelassen

  • Infektionen bei cystischer Fibrose
    • oral
      • ≥8 Jahre bis <18 Jahre: off-label

  • Lokalisierte, disseminierte Lyme-Borreliose im frühen und späten Stadium
    • oral
      • ≥1 Monat bis <8 Jahre: off-label
      • ≥8 Jahre bis <18 Jahre: zugelassen

  • Prophylaxe nach Zeckenbiss
    • oral
      • ≥1 Monat bis <8 Jahre: off-label
      • ≥8 Jahre bis <18 Jahre: zugelassen
  • Behandlung unkomplizierte Malaria
    • oral
      • ≥1 Monat bis <18 Jahre: off-label

  • Prophylaxe Malaria
    • oral
      • ≥1 Monat bis <18 Jahre: off-label

Auszug aus Fachinformation Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Oral/Intravenös bei Infektionen durch Doxycyclin-empfindliche Krankheitserreger.

Kinder von der Geburt an bis unter 8 Jahren:
Aufgrund des Risikos für Zahnverfärbungen sollte Doxycyclin bei Kindern unter 8 Jahren nicht angewendet werden.

Kinder von 8 bis einschließlich 11 Jahren:
Die Anwendung von Doxycyclin zur Behandlung von akuten Infektionen bei Kindern von 8 bis einschließlich 11 Jahren sollte sorgfältig geprüft werden und nur dann erfolgen, wenn andere Arzneimittel nicht verfügbar, wahrscheinlich unwirksam oder kontraindiziert sind.

≤45 kg:
- Anfangsdosis: 4,4 mg/kg (als Einzeldosis oder aufgeteilt in 2 Dosen)
- Erhaltungsdosis: 2,2 mg/kg (als Einzeldosis oder aufgeteilt in 2 Dosen)
Bei schweren Infektionen sollten über die gesamte Therapiedauer bis zu 4,4 mg/kg verabreicht werden.

>45 kg:
- Am ersten Tag: 200 mg Doxycyclin (als Einzeldosis oder aufgeteilt in 2 Dosen)
- An den folgenden Tagen: 100 mg Doxycyclin pro Tag

Jugendliche von 12 bis einschließlich 17 Jahre (<70 kg):
- Am ersten Tag: 200 mg Doxycyclin (als Einzeldosis oder aufgeteilt in 2 Dosen)
- An den folgenden Tagen: 100 mg Doxycyclin pro Tag

Patienten >70 kg:
Einmal täglich 200 mg Doxycyclin über die gesamte Therapiedauer

Oral bei Borreliose (Erythema chronicum migrans oder Lyme-Disease) Stadium I.

Täglich 200 mg Doxycyclin über 2-3 Wochen (mindestens jedoch 14 Tage lang).

[Ref.]

Oral bei Akne papulo-pustulosa und als Therapieversuch bei Akne conglobata.

Jugendliche über 12 Jahre:
Einmal täglich 50 mg.

[Ref.]

weitere zugelassene Indikationen bei Erwachsenen:
- Reduktion papulopustulöser Läsionen bei Rosazea im Gesicht
- Hauterkrankungen, auch infizierte schwere Formen der Akne vulgaris und Rosacea
- Syphilis
- akute Gonokokken-Infektion der Frau
- akute Gonokokken-Epididymitis
- akute gonorrhoische Urethritis beim Mann

[Ref.]

Präparate im Handel

Tabletten 50 mg, 100 mg, 200 mg
Hartkapseln 100 mg, 200 mg
Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung 40 mg (nur für Erwachsene zugelassen)
Injektionslösung 20 mg/mL

Die im Handel befindlichen Präparate enthalten Doxycyclin in Form von Doxycyclin-Monohydrat oder Doxycyclinhyclat. Die Angabe der Wirkstoffkonzentration und Dosierung ist jeweils auf Doxycyclin bezogen.

Präparate im Handel (ausgewählte Beispiele):

Präparat Darreichungsform Stärke (Doxycyclin) Applikationsweg Natriumgehalt Problematische Hilfsstoffe Anwendungshinweis Altersangabe
Doxy-M-ratiopharm® Tabletten 100 mgT2, M0
200 mgT2, M0
oral „natriumfrei“ - Regelmäßige Einnahme mit einer Mahlzeit und einem Glas Wasser (keine Milch). Nicht unmittelbar vor dem Zubettgehen einzunehmen.  ab 8 Jahren
Doxyderma® Tabletten 50 mgT0, M0 oral „natriumfrei“ - Einnahme mit ausreichend Flüssigkeit (keine Milchprodukte), in aufrechter Position und nicht unmittelbar vor dem Zubettgehen.  ab 12 Jahren
Doxycyclin AL Hartkapseln 100 mg
200 mg
oral k.A. - Einnahme mit ausreichend Flüssigkeit, in aufrechter Position und nicht unmittelbar vor dem Zubettgehen.  ab 8 Jahren
Doxycyclin-ratiopharm® SF Injektionslösung 100 mg/5 mL intravenös k.A. - Anwendung als Infusion oder Injektion. Die Infusionsdauer sollte 1 bis 4 Stunden und die Injektionsdauer sollte mindestens 2 Minuten betragen.  ab 8 Jahren


T2: teilbar in zwei gleiche Dosen, T0: nicht teilbar, M0: nicht mörserbar, k.A.: keine Angabe, „natriumfrei“: weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Einheit

Die Fachinformationen wurden am 07.05.2026 aufgerufen.

Neben den aufgeführten Präparaten befinden sich diverse weitere Fertigarzneimittel im Handel.

Lieferengpässe/weitere praktische Informationen

Lieferengpässe für Humanarzneimittel in Deutschland (ohne Impfstoffe)

Empfehlung der deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI) zu Alternativen in der pädiatrischen Antibiotikatherapie

Hinweis

Gemäß Fachinformation < 8 Jahren kontraindiziert (siehe Kontraindikationen / Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen)


Dosierungsempfehlungen

Gehe zu:

Bakterielle Infektionen
Schwere bakterielle Infektionen
Infektionen bei cystischer Fibrose
  • Oral
    • 8 Jahre bis 18 Jahre
      [1]
      • Initialdosis: 5 mg/kg/Tag, einmalig.
      • Erhaltungsdosis: 5 mg/kg/Tag in 1 - 2 Dosen. Max: 200 mg/Tag.
      • off-label

Lokalisierte, disseminierte Lyme-Borreliose im frühen und späten Stadium
  • Oral
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [2] [3] [8] [9] [10] [13] [14] [15] [17] [19] [24]
      • 4,4 mg/kg/Tag in 2 Dosen. Max: 200 mg/Tag.
      • Behandlungsdauer:
        • Frühe lokalisierte Lyme-Borreliose: 10 Tage;
        • Lyme-Meningitis, Facialisparese ohne Zellreaktion im Liquor: 14 Tage;
        • Frühe disseminierte Lyme-Borreliose, außer Meningitis und Lyme-Arthritis: 21 Tage;
        • Späte Lyme-Borreliose und Lyme-Arthritis: 30 Tage
        • Chronische Neuroborreliose ohne Pleozytose im Liquor: 30 Tage
      • <8 Jahre: off-label

Prophylaxe nach Zeckenbiss
Behandlung unkomplizierte Malaria
Prophylaxe Malaria
  • Oral
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [4] [5] [8] [9] [10] [13] [14] [15] [17] [19]
      • 2,2 mg/kg/Tag in 1 Dosis. Max: 100 mg/Tag.
      • Behandlungsdauer:

        Am Tag der Ankunft im Malaria-Epidemiegebiet starten; während des Aufenthalts einnehmen und bis 4 Wochen nach der Abreise aus dem Epidemiegebiet fortsetzen.

      • off-label

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Reversible Knochenwachstumsverzögerung bei Kindern unter 8 Jahren. [SmPC Doxy-M-ratiopharm]

(Irreversible) Zahnverfärbungen bei Kindern (1%), Störungen der Zahnentwicklung, Hypoplasie des Zahnschmelzes. [Rajan et al. 2025, Ma et al. 2025]

Die Chelatbildung von Tetracyclin im Zahnschmelz kann zu einer Schmelzhypoplasie und dauerhaften Zahnverfärbungen führen. [Stultz et al. 2019] In der Literatur lagen die Inzidenzraten für Zahnverfärbungen nach Tetracyclin-Exposition zwischen 23 und 92 %, wobei die Häufigkeit mit der Dosis, der Dauer (z. B. > 21 Tage Exposition) und der Anzahl der Behandlungszyklen zunahm. [Todd et al. 2015] In einer aktuellen Übersichtsarbeit entwickelte ein Frühgeborenes (1/162) eine Zahnverfärbung und zwei Kinder (2/162) eine Schmelzhypoplasie nach Exposition gegenüber Doxycyclin. [Dou et al. 2024] Darüber hinaus ergab eine aktuelle Metaanalyse eine gepoolte Inzidenz von Zahnverfärbungen von 0,92 % (95 % 0,34 %–1,50 %) ohne signifikante Heterogenität (I² < 0 %). [Ma et al. 2025]

Die sechs häufigsten positiven Signale mit dem höchsten proportionalen Meldeverhältnis (PRR) in der FEARS-Datenbank für unerwünschte Arzneimittelwirkungen von Doxycyclin bei Kindern im Alter von ≤ 8 Jahren waren Kehlkopfschäden, Horner-Syndrom, Nervenschäden, erosive Gastritis, Vanishing-Bile-Duct-Syndrom und Methämoglobinämie. [Dou et al. 2024] Keine dieser unerwünschten Arzneimittelwirkungen wird in der Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels von Doxycyclin erwähnt. Es ist daher wichtig, dass sich klinisch tätige Ärzte dieser potenziellen unerwünschten Arzneimittelwirkungen bewusst sind.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Sehr häufig (>10 %): Photosensitivitätsreaktionen mit Erythem, Hautödem, Blasenbildung

Häufig (1-10 %): anaphylaktische Reaktionen (einschließlich Überempfindlichkeit, Henoch-Schönlein-Purpura, Hypotonie, Perikarditis, Angioödem, Exazerbation eines systemischen Lupus erythematodes, Asthma, Dyspnoe, Serumkrankheit, periphere Ödeme, Tachykardie und Urtikaria), Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Meteorismus, Steatorrhoe, Ausschläge (einschließlich makulopapulärer und erythematöser Ausschläge)

Gelegentlich (0,1-1 %): Blutgerinnungsstörung, Dyspepsie (Sodbrennen/Gastritis), Mund- und Rachenschleimhautentzündungen, Heiserkeit, schwarze Haarzunge, bleibende Zahnverfärbungen mit Schmelzdefekten bei Anwendung während der Dentition, reversible Knochenwachstumsverzögerung (bei Anwendung während der Schwangerschaft), Hämaturie

Selten (0,01-0,1 %): Candida-Besiedelung der Haut oder Schleimhäute (insbesondere des Genitaltraktes und der Mund- und Darmschleimhäute) mit Symptomen wie Mund- und Rachenschleimhautentzündungen (Glossitis, Stomatitis), akuten Entzündungen der äußeren Geschlechtsorgane und der Scheide bei der Frau (Vulvovaginitis) sowie Juckreiz in der Analgegend (Pruritus ani); Leukozytosen, Thrombozytopenie, hämolytische Anämie, Neutropenie, Eosinophilie, Lymphozytopenien, Lymphadenopathien, atypische Lymphozyten, toxische Granulationen der Granulozyten, anaphylaktischer Schock, Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie, systemische Symptome (DRESS), Unruhe, Angstzustände,  Parästhesien, benigne intrakranielle Drucksteigerung bei Erwachsenen (Pseudotumor cerebr; mögliche Symptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und möglicherweise Sehstörungen (Skotom, Diplopie) bzw. Sehverlust
durch ein Papillenödem), Störung bzw. Verlust der Geruchs- und Geschmacksempfindung (welche nur in einigen Fällen und auch nur teilweise reversibel waren), Tinnitus, Flush, pseudomembranöse Kolitis - durch C. difficile bedingter Durchfall, ösophageale Ulzerationen, Ösophagitis, Enterokolitis, Bauchschmerzen, Diarrhoe, Dysphagie, Glossitis, Leberschädigung, Hepatitis, abnormale Leberfunktion, Pankreatitis, schwere Hauterscheinungen mit lebensbedrohlichen Allgemeinreaktionen (wie z. B. Erythema multiforme, exfoliative Dermatitis, Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse), Nagelablösung und -verfärbung, Hauthyperpigmentierung, Myalgien, Arthralgien, erhöhte BUN-Werte

Sehr selten (<0,01 %): Krampfanfälle, passagere Myopie, Nierenschädigung (wie z. B. interstitielle Nephritis, akutes Nierenversagen und Anurie)

Häufigkeit nicht bekannt: Jarisch-Herxheimer-Reaktion, Zahnverfärbungen, Zahnschmelzhypoplasien, fixes Arzneimittelexanthem, mikroskopische bräunlich-schwarze Verfärbung der Schilddrüse nach Langzeitbehandlung (ohne abnormale Schilddrüsenfunktionswerte)

Die vollständige Auflistung aller unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

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Haben Sie den Verdacht auf eine Nebenwirkung?

Die Meldung ist sehr wichtig, um das Nutzen-Risiko-Verhältnis eines Arzneimittels ständig zu überwachen. Das gilt besonders, wenn Medikamente bei Kindern außerhalb der zugelassenen Anwendung (off-label) eingesetzt werden.

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Kontraindikationen bei Kindern

  • Kinder  unter 8 Jahren: Laut Fachinformation kontraindiziert wegen des Risikos einer Schädigung des wachsenden Knochen- und Zahngewebes und irreversibler Verfärbung (gelb / grau / braun) der Zähne).  Aus der Literatur geht hervor, dass das Risiko einer Zahnverfärbung bei kurzfristiger Anwendung von Doxycyclin bei Kindern unter 8 Jahren (außerhalb der Neugeborenenperiode) in den derzeit empfohlenen Dosierungen sehr gering sind.

[SmPC Doxycyclin-M-ratiopharm]

Kontraindikationen allgemein

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, andere Tetracycline (innerhalb der Tetracyclin-Gruppe besteht eine komplette Kreuzallergie) oder einen der sonstigen Bestandteile
  • schwere Funktionsstörungen der Leber
  • Schwangerschaft und Stillzeit

zusätzlich für intravenös:

  • krankhafte Muskelschwäche (Myasthenia gravis) (da Injektionslösung Magnesiumchlorid enthält)
  • Injektion in Gewebe mit verminderter Durchblutung

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Das Risiko einer Schmelzhypoplasie und einer dauerhaften Verfärbung der Zähne ist am größten, wenn die Exposition gegenüber dem Wirkstoff während der Odontogenese vor der vollständigen Bildung des Schmelzes der bleibenden Zähne mit Kalzifizierung erfolgt. Dieser Prozess ist in der Regel im Alter von 8 Jahren abgeschlossen und ist der Grund für die Anwendungsbeschränkung bei Kindern unter 8 Jahren. [Stultz et al. 2019]
Im Gegensatz zu Tetracyclin bindet Doxycyclin jedoch in geringerem Maße an Kalzium (39,5 % gegenüber 19 %). [Todd et al. 2015]
Aktuelle Beobachtungsstudien zeigen, dass die Behandlung von Kleinkindern mit Doxycyclin möglicherweise nicht zu einer dauerhaften Verfärbung der Zähne führt. [Biggs et al. 2016] [Volovitz et al. 2007][Poyhonen et al. 2017][Todd et al. 2015][Ravindra et al. 2023][Boast et al. 2016][Stultz et al. 2019] Das Risiko für Zahnverfärbungen und Schmelzhypoplasie ist gering, was zur Aufhebung der früheren Kontraindikation bei Kindern unter 8 Jahren führte. Im Jahr 2018 erklärte das Komitee für Infektionskrankheiten der American Academy of Pediatrics, dass kurze Behandlungszyklen (bis zu 21 Tage) mit oralem Doxycyclin bei Patienten jeden Alters sicher sind. Die empfohlene Gesamtdauer der Doxycyclin-Behandlung sollte 21 Tage nicht überschreiten, und wiederholte Behandlungszyklen sollten aufgrund der kumulativen Exposition vermieden werden. [Red Book 2024]

Aufgrund pharmakokinetischer Daten entspricht die Doxycyclin-Dosis bei Kindern im Alter von 1 Monat bis 8 Jahren, bezogen auf mg/kg, der bei Kindern über 8 Jahren verabreichten Dosis. [Thompson et al. 2019] Aufgrund begrenzter Daten bei Kindern unter 2 Jahren sollte Doxycyclin in dieser Gruppe jedoch mit Vorsicht angewendet werden. Darüber hinaus sollte Doxycyclin bei Kindern im Alter von 1 Monat bis 8 Jahren nur in Betracht gezogen werden, wenn keine alternativen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, die Therapiedauer sollte so kurz wie möglich gehalten werden und wiederholte Behandlungszyklen sollten vermieden werden.

Bei der Anwendung von Wirkstoffen der Tetracyclin-Gruppe während der Zahnentwicklung (letzte Hälfte der Schwangerschaft, Säuglingsalter und Kinder bis 8 Jahre) kann es zu irreversiblen Zahnverfärbungen (gelb-grau-braun) kommen. Diese Nebenwirkung tritt häufiger bei Langzeitbehandlungen auf, wurde aber auch nach wiederholten Kurzzeitbehandlungen beobachtet. Zahnschmelzhypoplasien wurden ebenfalls berichtet. Doxycyclin darf bei Kindern unter 8 Jahren nur angewendet werden, wenn bei schwerwiegenden oder lebensbedrohlichen Erkrankungen (z. B. Rocky-Mountain-Fleckfieber) der erwartete Nutzen das Risiko überwiegt und keine angemessenen alternativen Therapien zur Verfügung stehen. Obwohl das Risiko für irreversible Zahnverfärbungen bei Kindern von 8 bis einschließlich 11 Jahren gering ist, sollte die Anwendung von Doxycyclin sorgfältig geprüft werden und nur dann erfolgen, wenn andere Arzneimittel nicht verfügbar, wahrscheinlich unwirksam oder kontraindiziert sind. [SmPC Doxy-M-ratiopharm]

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Für allgemeingültige Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen informieren Sie sich bitte in den aktuellen Fachinformationen.

Wechselwirkungen

Doxycyclin  wird über das Isoenzym CYP3A4 metabolisiert.

Doxycyclin zeichnet sich durch ein hohes Interaktionspotential aus. Aus diesem Grund muss die Medikation individuell auf Wechselwirkungen überprüft werden

Interaktionspartner Grund Handlungsempfehlung
CYP3A4-Induktoren (z.B. Rifampicin, Primidon, Carbamazepin) Steigerung des Metabolismus von Doxycyclin durch CYP-Induktion. Erniedrigte Serumkonzentration und (stark) verringerte Wirkung von Doxycyclin möglich. Überwachung der Therapie, ggf. Anpassung der Dosis von Doxycyclin notwendig.
polyvalente Kationen (z.B. Eisenpräparate, Calciumpräparate)/
Anionenaustauscherharze (z.B. Colestyramin)
Verschlechterung der Resorption von Doxycyclin Einnahmeabstand von 2 - 3 Stunden einhalten
Retinoide (z.B. Isotretinoin, Acitretin, Tretinoin) Reversiblen Drucksteigerung in der Schädelhöhle (Pseudotumor cerebri) möglich Kombination vermeiden kurz vor, während oder nach einer Behandlung mit Tretinoinen
Photosensitizer (z.B. Methoxsalen, Temoporfin) Verstärkung der phototoxischen Wirkung Kombination vermeiden
Vitamin-K-Antagonisten (z.B. Phenoprocoumon) Verlängerung der Prothrombinzeit möglich Ggf. ist die Reduktion des Vitamin-K-Antagonisten notwenidg
Methotrexat Erhöhung der Methotrexat-Toxizität möglich Überwachung der Therapie
Atovaquon Senkung der Atovaquon-Plasmakonzentration um 40 % möglich Kombination vermeiden
Clozapin Erhöhung des Agranulozytoserisikos Kombination vermeiden
BCG-Lebend-Impfstoff Verminderung der immunstimulierenden Wirkung der BCG-Bakterien Kombination vermeiden


Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen und einschlägigen Wechselwirkungsdatenbanken zu entnehmen.

TETRACYCLINE

In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.

Tetracycline

Minocyclin

Skid®
J01AA08
J01AA07

Tigecyclin

Tygacil®
J01AA12
TETRACYCLINE

Minocyclin

Skid®
J01AA08
J01AA07

Tigecyclin

Tygacil®
J01AA12

Referenzen

  1. Hartwig NC, et al, Vademecum Pediatrische Antimicrobiële Therapie [Vademecum pädiatrische antimikrobielle Therapie], 2005
  2. Pharmachemie BV, SPC Doxycycline (RVG 09519), www.cbg-meb.nl, aufgerufen 27. Mai 2010, http://db.cbg-meb.nl/IB-teksten/h09519.pdf
  3. CBO, Richlijn Lymeziekte [Leitlinie Lyme-Borreliose], www.cbo.nl, 2013
  4. Aurobindo, SmPC Doxycycline (RVG12871) 27-05-2015, www.cbg-meb.nl
  5. Landelijk Coordinatiecentrum Reizigers Advisering [Nationales Koordinationszentrum für Reisehinweise], Malariaprofylaxe bulletin [Malariaprophylaxe Bulletin], 2015, Feb
  6. Wichers IM et al, NHG Behandelrichtlijn tekenbeet [Behandlungsleitlinie für Zeckenbisse], 2017
  7. Biggs HM, et al., Diagnosis and management of tickborne rickettsial diseases: Rocky mountain spotted fever and other spotted fever group rickettsioses, ehrlichioses, and anaplasmosis - United States, MMWR Recomm Rep, 2016, 65(2), 1-44
  8. Volovitz B, et al., Absence of tooth staining with doxycycline treatment in young children, Clin Pediatr, 2007, 46(2), 121-6
  9. Poyhonen H, et al., Dental staining after doxycycline use in children, J Antimicrob Chemoth, 2017, 72(10), 2887-90
  10. Todd SR, et al., No visible dental staining in children treated with doxycycline for suspected Rocky Mountain Spotted Fever, J Pediatr, 2015, 166(5), 1246-51
  11. Aliud Pharma , SmPC Doxycyclin AL (10543.00.00), 11/2025
  12. Ceccarelli G, et al., Pharmacokinetic Study of Doxycycline in Children. Chemotherapy., Chemotherapy., 1971, 1-10
  13. Boast A, et al., QUESTION 1 : teething issues : can doxycycline be safely used in young children? , Arch Dis Child. , 2016, 63(12)
  14. Thompson E.J, et al., Population pharmacokinetcs of doxycycline in Children. , Antimicrobial Agents and Chemotherapy. , 2019, 63(12)
  15. Rajan A.S, et al., Dental safety of short-term doxycycline use in children under 8 years: a systematic review and meta-analysis. , Front Pharmacol. , 2025
  16. Ma K, et al., Incidence and influencing factors of tooth discoloration in children using doxycycline: a meta-analysis. , Front Pediatr. , 2025
  17. Stultz J.S, et al., Doxycycline and Tooth Discolaration in Children: Changing of Recommendations Based on Evidence of Safety. , Annals of Pharmacotherapy. , 2019, 53(11), 1162-1166
  18. Dou W, et al., Real-world safety profile of tetracyclines in children younger thand 8 years old: an analysis of FEARS database and review of case report. , Expert Opin Drug Saf. , 2024, 23(7), 885-892
  19. Ravindra D, et al., Antibiotic Exposure and Dental Health: A Systematic Review. Pediatrics., 2023, 152(1)
  20. ratiopharm GmbH, SmPC Doxy-M-ratiopharm 100 mg/ 200 mg Tabletten (16390.00.00), 06/2025
  21. ratiopharm GmbH, SmPC Doxycyclin-ratiopharm SF 100 mg/5 mL Injektionslösung (576.00.01), 06/2025
  22. Galderma Laboratorium GmbH, SmPC Oraycea 40 mg Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung (65881.00.00), 04/2021
  23. Dermapharm, SmPC Doxyderma 50 mg Tabletten (11619.00.00), 12/2025
  24. Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), S2k-Leitlinie "Kutane Lyme Borreliose" ( Registernummer 013 - 044), AWMF, Stand: 31.03.2016 (in Überarbeitung), gültig bis 30.03.2021

Änderungsverzeichnis

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung

Symptome: parenchymatösen Leber- und Nierenschädigungen, Pankreatitis

  • Bei einer oralen Überdosis von Doxycyclin sollten die noch nicht resorbierten Anteile der Substanz durch Gabe von Antazida, Magnesium- oder Calcium-Salzen zu nicht resorbierbaren Chelatkomplexen gebunden werden. Nach sofortigem Absetzen der Therapie sind unter Umständen symptomatische Maßnahmen indiziert.
  • Doxycyclin ist nicht ausreichend dialysierbar, so dass eine Hämo- oder Peritonealdialyse wenig effektiv ist.

[Ref.]