Articain ist ein Lokalanästhetikum vom Amid-Typ und hemmt reversibel die Schmerzweiterleitung. Die anästhetische Wirkung beruht auf einer Herabsetzung oder der Verhinderung einer ausgedehnten, vorübergehenden Zunahme der Durchlässigkeit der erregbaren Membranen für Natrium (Na+), die normalerweise durch leichte Depolarisierung der Membran verursacht wird. Während sich die Wirkung des Anästhetikums im Nerv allmählich ausbreitet, steigt die Schwelle für die elektrische Erregbarkeit allmählich an, die Anstiegsrate des Aktionspotentials verringert sich und die Reizleitung wird verlangsamt. Articain zeichnet sich durch eine rasch eintretende Wirkung (Latenz-Zeit 1-3 min) mit starkem analgetischen Effekt bei guter Gewebeverträglichkeit aus.
Adrenalin (Epinephrin) ist ein Vasokonstriktor und wirkt direkt sowohl auf die α- und β-adrenergen Rezeptoren, wobei der β-adrenerge Effekt überwiegt. Es verlängert die Wirkdauer von Articain und reduziert das Risiko einer übermäßigen Aufnahme von Articain in den Blutkreislauf.
Die effektive Anästhesiedauer von Articain hängt von der Menge an zugesetztem Adrenalin (Epinephrin) als Vasokonstrigens ab:
- ohne Zusatz von Vasokonstringens: 60 bis 225 Minuten
- 1:100 000: Zahnpulpa: mindestens 60 bis 70 Minuten, Weichgewebe: 180 bis 360 Minuten
- 1:200 000: Zahnpulpa: mindestens 45 Minuten, Weichgewebe: 120 bis 240 Minuten
- 1:400 000: Zahnpulpa: mindestens 30 Minuten, Weichgewebe: 60 bis 120 Minuten
Articain wird in der Leber zu 10 % metabolisiert, jedoch hauptsächlich durch Plasma- und Gewebe-Esterasen.
Kinder (Dosis: 2 mg/kg):
Cmax: 1.382 ng/ml
Tmax: 7,78 min nachdem eine
Erwachsene:
Cmax: 400 - 2.100 ng/ml
Tmax: 10 - 12 min
[SmPC Ubistesin]
Bei Kindern ist die Gesamtexposition nach vestibulärer Infiltrationsanästhesie mit der von Erwachsenen vergleichbar, jedoch wird die maximale Serumkonzentration schneller erreicht. [SmPC Ultracain]
Injektionslösung
40 mg/mL + 0,0025 mg/mL = 1:400.000
40 mg/mL + 0,005 mg/mL = 1:200.000
40 mg/mL+ 0,01 mg/mL = 1:100.000
Die im Handel befindlichen Präparate enthalten Articain in Form von Articainhydrochlorid und Epinephrin als Epinephrinhydrogentartrat (Ubistesin®) oder Epinephrinhydrochlorid (Ultracain D-S®). Die Angabe der Wirkstoffkonzentration und Dosierung ist jeweils auf Articainhydrochlorid und Epinephrin bezogen.
Präparate im Handel (ausgewählte Beispiele):
| Präparat | Darreichungsform | Stärke (Articainhydrochlorid + Epinephrin) | Applikationsweg | Natriumgehalt | Problematische Hilfsstoffe | Anwendungshinweis | Altersangabe |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Ultracain D-S (forte) | Injektionslösung | 40 mg + 0,005 mg /mL (1:200.000) 40 mg + 0,01 mg /mL (1:100.000) |
Injektion in der Mundhöhle | „natriumfrei“ | Natriummetabisulfit 20 mL: Methyl-4-hydroxybenzoat |
Langsame Injektion mit vorheriger Aspiration. | ab 1 Jahr |
| Ubistesin | Injektionslösung | 40 mg + 0,0025 mg /mL (1:400.000) 40 mg + 0,005 mg /mL (1:200.000) 40 mg + 0,01 mg /mL (1:100.000) |
Infiltration/perineural in der Mundhöhle | „natriumfrei“ | Natriumsulfit | ab 4 Jahren |
„natriumfrei“: weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Einheit
Die Fachinformationen wurden am 03.11.2025 aufgerufen.
Lieferengpässe für Humanarzneimittel in Deutschland (ohne Impfstoffe)
| Lokalanästhesie in der Zahnmedizin |
|---|
Keine Informationen zur Dosisanpassung bei Nierenfunktionsstörung vorhanden.
Das Sicherheitsprofil bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 4–18 Jahren ist mit dem von Erwachsenen vergleichbar. Allerdings wurden versehentliche Weichteilverletzungen, insbesondere bei Kindern zwischen 3–7 Jahren, aufgrund der verlängerten Anästhesie des Weichgewebes häufiger beobachtet.
In einer retrospektiven Studie mit 211 Kindern zwischen 1 und 4 Jahren wurde eine Zahnbehandlung unter Anwendung von Articain + Adrenalin (Epinephrin) durchgeführt, bei der über keine Nebenwirkungen berichtet wurde. [SmPC Ultracain D-S]
Häufig (1-10 %): Gingivitis, Neuropathie: Neuralgie (neuropathische Schmerzen), Hypästhesie/Gefühllosigkeit (oral und perioral), Hyperästhesie, Dysästhesie (oral und perioral), einschließlich Geschmacksstörungen (beispielsweise metallischer Geschmack), Ageusie, Allodynie, Thermohyperästhesie, Kopfschmerz, Parästhesie, Bradykardie, Tachykardie, Hypotonie (mit Kollapsneigung), Übelkeit, Erbrechen, Schwellungen von Zunge, Lippe und Zahnfleisch
Gelegentlich (0,1-1 %): brennendes Gefühl, Schwindel, Hypertonie, Stomatitis, Glossitis, Diarrhö, Nackenschmerzen, Schmerzen an der Injektionsstelle, Ausschlag, Pruritus
Selten (0,01-0,1 %): allergische oder allergieähnliche sowie anaphylaktische/anaphylaktoide Überempfindlichkeitsreaktionen (ödematöse Schwellung und/oder Entzündung an der Injektionsstelle, Rötung, Juckreiz, Konjunktivitis, Rhinitis, Gesichtsschwellung (Angioödem) mit Schwellung von Ober- und/oder Unterlippe und/oder Wangen, Glottisödem mit Globusgefühl im Rachen und Schluckbeschwerden, Urtikaria und Atembeschwerden, anaphylaktischer Schock), Nervosität, Angst, Erkrankung des Nervus facialis (Lähmung und Parese), Horner-Syndrom (Augenlid-Ptosis, Enophthalmus, Miosis), Somnolenz (Verschlafenheit), Nystagmus, Ptosis, Miosis, Enophthalmus, Sehstörungen (verschwommenes Sehen, Doppeltsehen (Lähmung der Augenmuskulatur), Mydriasis, Blindheit), Hyperakusis, Tinnitus, Palpitationen, Hitzewallungen, Zahnfleisch/Exfoliation der Mundschleimhaut (Schuppung), Ulzeration, Bronchospasmus/Asthma, Dyspnoe, Muskelzuckungen, Nekrosen/Abschuppungen an der Injektionsstelle, Erschöpfung, Asthenie (Schwäche)/Schüttelfrost, Angioödem (Gesicht/Zunge/Lippe/Hals/Kehlkopf/periorbitales Ödem), Urtikaria
Sehr selten (<0,01 %): Parästhesie (persistierende Hypästhesie und Geschmacksverlust) nach mandibulärer Nervenblockade oder Blockade des Nervus alveolaris inferior
Häufigkeit nicht bekannt: euphorische Stimmung, dosisabhängig (besonders bei zu hoher Dosierung oder bei versehentlicher intravaskulärer Injektion): zentralnervöse Störungen:
Unruhe, Nervosität, Stupor, Benommenheit bis zum Bewusstseinsverlust, Koma, Atemstörungen bis zum Atemstillstand, Muskelzittern und Muskelzuckungen bis zu generalisierten Krämpfen, Nervenläsionen (durch eine fehlerhafte Injektionstechnik): geschädigter Gesichtsnerv, Fazialisparese, Verminderung der Geschmacksempfindlichkeit, Herzrhythmusstörungen, Reizleitungsstörungen (AV-Block), Herzversagen und Schock (unter Umständen lebensbedrohlich), lokale/regionale Hyperämie, Vasodilatation, Vasokonstriktion, Dysphagie, Schwellung der Wangen, Glossodynie, Dysphonie (Heiserkeit), Verschlimmerung neuromuskulärer Manifestationen beim Kearns-Sayre-Syndrom, Trismus, lokale Schwellungen, Hitzegefühl, Kältegefühl, ischämische Gebiete an der Injektionsstelle
bis hin zu Gewebsnekrosen (durch versehentliche intravaskuläre Injektion), Erythem, Hyperhidrose
Die vollständige Auflistung aller unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
Es besteht die Gefahr von Bissverletzungen (Lippen, Wangen, Schleimhaut oder Zunge), insbesondere bei Kindern; die Patienten sollten angewiesen werden, Kaugummikauen oder Essen zu vermeiden, bis das normale Gefühl wiederhergestellt ist. [SmPC Ubistesin]
Für allgemeingültige Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen informieren Sie sich bitte in den aktuellen Fachinformationen.
Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.
In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.
| Amide | ||
|---|---|---|
|
Bucain®, Carbostesin®
|
N01BB01 | |
|
Licain®, Xylocain®, Xylocitin®, weiterer ATC-Code: C01BB01
|
N01BB02 | |
|
Anesderm®, Emla®, Emulus®, Tapfi®
|
N01BB20 | |
|
Rapydan®
|
N01BB52 | |
|
Meaverin, Mecain, Mepivastesin, Scandicain, Scandonest
|
N01BB03 | |
|
Takipril®, Xylonest®
|
N01BB04 | |
|
Naropin®
|
N01BB09 | |
| LOKALANÄSTHETIKA | ||
|---|---|---|
|
Bucain®, Carbostesin®
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N01BB01 | |
|
Licain®, Xylocain®, Xylocitin®, weiterer ATC-Code: C01BB01
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N01BB02 | |
|
Anesderm®, Emla®, Emulus®, Tapfi®
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N01BB20 | |
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Rapydan®
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N01BB52 | |
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Meaverin, Mecain, Mepivastesin, Scandicain, Scandonest
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N01BB03 | |
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Takipril®, Xylonest®
|
N01BB04 | |
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Naropin®
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N01BB09 | |