Furosemid

Wirkstoff
Furosemid
Handelsname
Lasix®, Diurapid®, Furanthril®, Furorese
ATC-Code
C03CA01

Zulassung
Dosierungsempfehlungen

Präparate
Pharmakodynamik und -kinetik
Nierenfunktionsstörungen
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Wechselwirkungen
Wirkstoffe der gleichen ATC-Klasse
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Pharmakodynamik

Furosemid ist ein starkes, kurz und schnell wirkendes Schleifendiuretikum. Es hemmt im aufsteigenden Teil der Henle-Schleife über eine Blockierung der Na+/2Cl-/K+-Ionen- Carrier die Rückresorption dieser Ionen. Als Folge der erhöhten Natriumausscheidung kommt es sekundär durch osmotisch gebundenes Wasser zu einer verstärkten Harnausscheidung und zu einer Steigerung der distaltubulären K+-Sekretion. Ebenfalls erhöht ist die Ausscheidung der Ca2+- und Mg2+-Ionen. Neben den Verlusten an vorgenannten Elektrolyten kann es zu einer verminderten Harnsäureausscheidung und zu Störungen des Säure-Basen-Haushalts in Richtung metabolische Alkalose kommen.
Furosemid wirkt blutdrucksenkend infolge einer gesteigerten Natriumchloridausscheidung und einer verminderten Ansprechbarkeit der glatten Gefäßmuskulatur auf vasokonstriktorische Reize sowie infolge einer Blutvolumenabnahme.

Pharmakokinetik bei Kindern

Nach einer durchschnittlichen, einmaligen i.v.-Dosis von 0,91 - 1 mg/kg bei Frühgeborenen (26-36 Wochen GA, 1-69 Tage PNA) und Reifgeborenen wurden die folgenden durchschnittlichen (Bereich der Mittelwerte oder ± Standardabweichung) pharmakokinetischen Parameter ermittelt [Peterson et al. 1980, Vert et al. 1982]:

  Frühgeborene (26-36 Wochen GA, 1-69 Tage PNA)
Reifgeborene
n= 22 7
Cmax (mg/L) 4,9 ± 0,5 (Dosis: 1 mg/kg) -
T½ (h) 19,9-26,8 13,4 ± 3,3
Cl (mL/kg/h) 6,9-10,6 11,8 ± 3,5
Vd (L/kg) 0,20-0,24 0,52 ± 0,16

 

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Flüssigkeitsretention und Ödeme
    • oral
      • Frühgeborene: off-label
      • Neugeborene: zugelassen
      • ≥1 Monat bis <18 Jahre: zugelassen
    • intravenös
      • Frühgeborene: off-label
      • Neugeborene: zugelassen
      • ≥1 Monat bis <18 Jahre: zugelassen*

*Bei Säuglingen und Kindern unter 15 Jahren sollte Furosemid parenteral nur ausnahmsweise bei bedrohlichen Zuständen gegeben werden.

  • Arterielle Hypertonie
    • oral
      • Frühgeborene: off-label
      • Neugeborene: zugelassen
      • ≥1 Monat bis <18 Jahre: zugelassen

Auszug aus Fachinformation Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Oral bei Ödemen infolge Erkrankungen des Herzens, der Leber oder der Nieren (beim nephrotischen Syndrom steht die Therapie der Grunderkrankung im Vordergrund).

Kinder:
Kinder erhalten im Allgemeinen 1 (bis 2) mg Furosemid pro kg Körpergewicht und Tag, höchstens 40 mg Furosemid pro Tag.

[Ref.]

Intravenös bei
– Ödeme und/oder Aszites infolge Erkrankungen des Herzens oder der Leber
– Ödeme infolge Erkrankungen der Nieren
– Ödeme infolge Verbrennungen
– Lungenödem (z. B. bei akuter Herzinsuffizienz)
– Unterstützende Maßnahme bei Hirnödem
– Oligurie infolge einer Gestose, ggf. nach Beseitigung eines Volumenmangelzustandes
(Ödeme und/oder Hypertonie bei Gestosen sind keine Indikation!)
– Hypertensive Krise (neben anderen therapeutischen Maßnahmen)

Die intravenöse Anwendung ist indiziert, wenn bei oraler Gabe von Furosemid keine ausreichende Diurese erreicht wird oder wenn eine orale Anwendung nicht möglich ist.

Kinder:
Säuglingen und Kindern unter 15 Jahren sollte Furosemid parenteral nur ausnahmsweise bei bedrohlichen Zuständen gegeben werden.
Die mittlere Tagesdosis beträgt 0,5 mg Furosemid/kg Körpergewicht. Ausnahmsweise können bis zu 1 mg Furosemid/kg Körpergewicht i. v. injiziert werden.

[Ref.]

Oral bei arterieller Hypertonie.

Kinder:
Kinder erhalten im Allgemeinen 1 (bis 2) mg Furosemid pro kg Körpergewicht und Tag, höchstens 40 mg Furosemid pro Tag.

[Ref.]

weitere zugelassene Indikationen bei Erwachsenen:
- Oligurie bei fortgeschrittener und terminaler Niereninsuffizienz (prädialytisches und dialysebedürftiges Stadium), wenn
Ödeme und/oder Bluthochdruck vorliegen, bzw. zur Aufrechterhaltung einer Restdiurese (der diuresesteigernde Effekt
sollte durch gelegentliche Auslassversuche überprüft werden).
- Drohendes und bereits eingetretenes akutes Nierenversagen (zur Aufrechterhaltung der Flüssigkeitsausscheidung und zur Erleichterung der parenteralen Ernährung, solange noch eine Restfiltration vorhanden ist).
– Chronische Niereninsuffizienz im prädialytischen Stadium mit Flüssigkeitsretention und Hochdruck.
– Terminale Niereninsuffizienz: zur Aufrechterhaltung einer Restdiurese.
– Nephrotisches Syndrom bei Patienten, die auf eine orale Dosis von 120 mg Furosemid/Tag nicht ansprechen (im Vordergrund
steht hier die Therapie der Grunderkrankung).

Präparate im Handel

Lösung zum Einnehmen 10 mg/mL
Schmelztabletten 5 mg
Tabletten 20 mg, 40 mg, 80 mg, 125 mg, 250 mg, 500 mg
Injektionslösung 20 mg/2 mL
Infusionslösung 250 mg/25 mL

Die im Handel befindlichen Präparate enthalten zum Teil Furosemid in Form von Furosemid-Natrium. Die Angabe der Wirkstoffkonzentration und Dosierung ist jeweils auf Furosemid bezogen.

Präparate im Handel (ausgewählte Beispiele):

Präparat Darreichungsform Stärke (Furosemid) Applikationsweg Natriumgehalt Problematische Hilfsstoffe Aroma Anwendungshinweis Altersangabe
Lasix® liquidum Lösung zum Einnehmen 10 mg/mL oral 10,4 mg/10 mL Ethanol
Sorbitol
Methyl-4-hydroxybenzoat
Propyl-4-hydroxybenzoat
Orange Einnahme erfolgt nüchtern. Kinder
Bopediat (europäisch zugelassen, jedoch bisher nicht in Deutschland vermarktet) Schmelztabletten 5 mgT2, So oral "natriumfrei" Sulfite Erdbeere Auflösung in Leitungswasser (bei Kindern <6 Monaten: steriles Wasser) und Gabe über Applikationsspritze. Einnahme unabhängig von den Mahlzeiten.  ab der Geburt
Lasix® Tabletten 40 mgT2
500 mgT4
oral k.A. Lactose - Die Tabletten sind nüchtern und unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit einzunehmen. Kinder
Furosemid-ratiopharm® Tabletten 20 mgT2
40 mgT2
125 mgT2
250 mgT4
500 mgT4
oral "natriumfrei" Lactose - Kinder
Lasix® Injektionslösung 20 mg/2 mL intravenös
intramuskulär (in Ausnahmefällen)
"natriumfrei" - - Die Injektionsgeschwindigkeit von 0,4 ml Injektionslösung (entsprechend 4 mg Furosemid) pro Minute darf nicht überschritten werden. ab Säuglingsalter
Lasix® Infusionslösung 250 mg/25 mL intravenös "natriumfrei" - - Die Injektionsgeschwindigkeit von 0,4 ml Infusionslösung (entsprechend 4 mg Furosemid) pro Minute darf nicht überschritten werden. Applikation über einen Perfusor. ab Säuglingsalter


T4: teilbar in vier gleiche Dosen, T2: teilbar in zwei gleiche Dosen, T0: nicht teilbar, So: sondengängig, k.A.: keine Angabe, „natriumfrei“: weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Einheit

Die Fachinformationen wurden am 13.08.2026 aufgerufen.

Neben den aufgeführten Präparaten befinden sich diverse weitere Fertigarzneimittel im Handel.

Rezepturhinweise

Es gibt NRF-Rezepturvorschriften:

Lieferengpässe/weitere praktische Informationen

Lieferengpässe für Humanarzneimittel in Deutschland (ohne Impfstoffe)

Dosierungsempfehlungen

Flüssigkeitsretention und Ödeme
  • Oral
    • Frühgeborene, Gestationsalter < 37 Wochen
      [4] [19] [20] [23]
      • 0,5 - 1 mg/kg/Dosis, bei Bedarf. Max: 2 mg/kg/Tag.
      • off-label

    • Neugeborene
      [4] [19] [20] [23]
      • 0,5 - 1 mg/kg/Dosis, bei Bedarf. Max: 2 mg/kg/Tag.
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [1] [3]
      • 1 - 4 mg/kg/Tag in 2 - 4 Dosen.
      • Anwendungshinweis:

        Zur Vermeidung einer nächtlichen Diurese-Spitze sollte die Einnahme vor 17:00 Uhr erfolgen.

      • Maximale Dosierung bei chronischer Niereninsuffizienz oder Proteinurie: 12 mg/kg/Tag

  • Intravenös
    • Frühgeborene, Gestationsalter < 37 Wochen
      [4] [14] [18] [20] [21]
      • 0,05 - 2 mg/kg/Tag, Dauerinfusion.
      • ALTERNATIV: Intermittierende Gabe (analog zur oralen Gabe):
        0,5 - 1 mg/kg/Dosis, max: 2 mg/kg/Tag.

        • Intravenöse Dosis <2 mg/kg: Langsam intravenös injizieren (5 Minuten).
        • Intravenöse Dosis >2 mg/kg: Über 30 - 60 Minuten infundieren.

        off-label

    • Neugeborene
      [4] [16] [18] [21]
      • 0,05 - 2 mg/kg/Tag, Dauerinfusion. Max: 5 mg/kg/Tag. (bei schwerer Therapieresistenz: max. 12 mg/kg/Tag)
      • ALTERNATIV: Intermittierende Gabe (analog zur oralen Gabe):
        0,5 - 1 mg/kg/Dosis, max: 2 mg/kg/Tag.

        • Intravenöse Dosis <2 mg/kg: Langsam intravenös injizieren (5 Minuten).
        • Intravenöse Dosis >2 mg/kg: Über 30 - 60 Minuten infundieren.
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [1] [5] [17]
      • 1 - 2 mg/kg/Dosis, bei Bedarf. Maximale Einzeldosis: 4 mg/kg/Dosis.
      • ALTERNATIV: Intravenöse Dauerinfusion: 2 - 4 mg/kg/Tag (bei schwerer Therapieresistenz: max. 12 mg/kg/Tag)

        • Intravenöse Dosis <2 mg/kg: Langsam intravenös injizieren (5 Minuten).
        • Intravenöse Dosis >2 mg/kg: Über 30-60 Minuten infundieren.
Arterielle Hypertonie

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Anpassung bei Nierenfunktionsstörung wie angegeben:

GFR 50-80 ml/min/1.73 m2
Dosisanpassung nicht erforderlich.
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2
Dosisanpassung nicht erforderlich.
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2
Mit der normalen Dosis beginnen und Dosis je nach Wirkung erhöhen.
GFR < 10 ml/min/1.73 m2
Eine allgemeine Empfehlung kann nicht gegeben werden.
Klinische Konsequenzen

Eine starke Diurese kann zu einer reversiblen Beeinträchtigung der Nierenfunktion führen. Eine adäquate Flüssigkeitszufuhr ist erforderlich.

Bei Dialyse

Intermittierende Hämodialyse, kontinuierliche venovenöse Hämodialyse und Hämo(dia)filtration, Peritonealdialyse: Standard-Initialdosis, Dosis je nach Bedarf und Wirkung erhöhen.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Gehörschädigung (bei Langzeitanwendung), Hypokaliämie, Hypomagnesiämie. Dehydration kann, vor allem bei Kindern, zu thromboembolischen Ereignissen oder zum Kollaps führen.

Bei Frühgeborenen sind Meldungen über Nephrocalcinose und Nierensteine bekannt.

Sehr häufig (>10 %): Elektrolytungleichgewicht, Dehydratation, Hypovolämie, Orthostasesyndrom, Kreatinin im Blut erhöht, Triglyzeride im Blut erhöht

Häufig (1-10 %): Hämokonzentration, Hyponatriämie, Hypokaliämie, Gicht, hepatische Enzephalopathie, Polyurie, Cholesterin im Blut erhöht, Harnsäure im Blut erhöht

Gelegentlich (0,1-1 %): Thrombozytopenie, Hörstörung, Taubheit, Übelkeit, Hautreaktion, Pruritus, Urtikaria, generalisiertes bullöses fixes Arzneiexanthem, Pemphigoid, Purpura, Lichtempfindlichkeitsreaktion, Erythema multiforme, Kohlehydrat-Toleranz vermindert, Glukose im Blut erhöht

Selten (0,01-0,1 %): Neutropenie, Eosinophilie, anaphylaktische Reaktionen, Parästhesie, Tinnitus, Vaskulitis, Erbrechen, Diarrhö, Tubulo-interstitielle Nephritis, Fieber

Sehr selten (<0,01 %): Agranulozytose, Knochenmarksversagen, Pankreatitis akut, cholestatischer Leberschaden, Transaminasen erhöht

Häufigkeit nicht bekannt: systemischer Lupus erythematodes, metabolische Alkalose, Pseudo-Bartter-Syndrom, Schwindelgefühl, Synkope, Verlust des Bewusstseins, Kopfschmerzen, Thrombose, Stevens-Johnson-Syndrom, Epidermolysis acuta toxica, akut generalisierendes pustulöses Exanthem (AGEP), Arzneimittelreaktion mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS-Syndrom), lichenoide Keratose, Rhabdomyolyse, Harnretention, Nephrokalzinose, Nephrolithiasis, Blutharnstoff erhöht

[SmPC Bopediat]

Nephrokalzinose und/oder Nephrolithiasis bei Frühgeborenen und erhöhtes Risiko eines persistierenden Ductus arteriosus Botalli, wenn Frühgeborene in den ersten Lebenswochen mit Furosemid behandelt werden. [SmPC Furosemid-ratiopharm]

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Sehr häufig (>10 %): Elektrolytstörungen (einschließlich symptomatischer), Dehydratation und Hypovolämie (besonders bei älteren Patienten), Triglyzeride im Blut erhöht, (bei intravenöser Infusion) Hypotonie einschließlich Orthostasesyndrom, Kreatinin im Blut erhöht

Häufig (1-10 %): Hämokonzentration (bei übermäßiger Diurese), Hyponatriämie und Hypochlorämie (insbesondere bei eingeschränkter Zufuhr von Natriumchlorid), Hypokaliämie (insbesondere bei gleichzeitig verminderter Kaliumzufuhr und/oder erhöhten Kaliumverlusten, z. B. bei Erbrechen oder chronischer Diarrhö); Cholesterin im Blut erhöht, Harnsäure im Blut erhöht und Gichtanfälle, hepatische Enzephalopathie bei Patienten mit Leberinsuffizienz, Urinvolumen erhöht

Gelegentlich (0,1-1 %): Thrombozytopenie, allergische Haut- und Schleimhautreaktionen, eingeschränkte Glucosetoleranz und Hyperglykämie, Hörstörungen, meist reversibel, besonders bei Patienten mit Niereninsuffizienz oder einer Hypoproteinämie (z. B. bei nephrotischem Syndrom) und/oder bei zu schneller intravenöser Injektion, Taubheit (manchmal irreversibel), Übelkeit, Pruritus, Urtikaria, Ausschläge, bullöse Dermatitis, Erythema multiforme, Pemphigoid, Dermatitis exfoliativa, Purpura, Photosensibilität

Selten (0,01-0,1 %): Eosinophilie, Leukopenie, schwere anaphylaktische und anaphylaktoide Reaktionen wie anaphylaktischer Schock, Parästhesien, Tinnitus, Vaskulitis, Erbrechen, Diarrhö, tubulointerstitielle Nephritis, Fieber

Sehr selten (<0,01 %): hämolytische Anämie, aplastische Anämie, Agranulozytose, akute Pankreatitis, intrahepatische Cholestase, Transaminasen erhöht

Häufigkeit nicht bekannt: Exazerbation oder Aktivierung eines systemischen Lupus erythematodes, Hypokalzämie, Hypomagnesiämie, metabolische Alkalose, Pseudo-Bartter-Syndrom, Schwindel, Ohnmacht und Bewusstlosigkeit (verursacht durch symptomatische Hypotonie), Kopfschmerzen, Thrombose (insbesondere bei älteren Patienten), Stevens-Johnson-Syndrom (SJS), toxische epidermale Nekrolyse (TEN), akute generalisierte exanthematische Pustulose (AGEP), Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS), lichenoide Reaktionen, Fälle von Rhabdomyolyse wurden berichtet, oftmals im Zusammenhang mit schwerer Hypokaliämie, Natrium im Urin erhöht, Chlorid im Urin erhöht, Blutharnstoff erhöht, Symptome einer Harnabflussbehinderung (z. B. bei Patienten mit Prostatahypertrophie, Hydronephrose, Ureterstenose) bis hin zur Harnsperre (Harnverhaltung) mit Sekundärkomplikationen, Nierenversagen

Die vollständige Auflistung aller unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

AkdÄ Logo

Haben Sie den Verdacht auf eine Nebenwirkung?

Die Meldung ist sehr wichtig, um das Nutzen-Risiko-Verhältnis eines Arzneimittels ständig zu überwachen. Das gilt besonders, wenn Medikamente bei Kindern außerhalb der zugelassenen Anwendung (off-label) eingesetzt werden.

Hier melden

Kontraindikationen allgemein

  • Überempfindlichkeit gegen Furosemid, Sulfonamide (mögliche Kreuzallergie mit Furosemid) oder einen der sonstigen Bestandteile
  • Nierenversagen mit Anurie, das auf eine Furosemidtherapie nicht anspricht
  • Coma und Praecoma hepaticum im Zusammenhang mit einer hepatischen Enzephalopathie
  • schwere Hypokaliämie
  • schwere Hyponatriämie
  • Hypovolämie oder Dehydratation
  • stillende Frauen

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Bei Kindern wird zu Behandlungsbeginn niedrig dosiert, um eine durch abrupte Diurese bedingte Hypovolämie mit Kreislaufversagen zu vermeiden. Bei Hypokaliämie kann Furosemid mit Spironolacton kombiniert werden.
Neugeborene sollen keine Erhaltungstherapie erhalten (Hypercalciurie), ausgenommen bei kardiologischer Indikation. Bei Neugeborenen, die längere Zeit mit Furosemid behandelt wurden, fand man osteoklastische Knochenschädigungen, vermutlich durch die vermehrte Calciumausscheidung mit konsekutivem Hyperparathyreoidismus.

Intravenöse Applikation: Die Injektionslösung ist stark alkalisch, daher soll eine Dauerinfusion über einen separaten Zugang erfolgen. Die Injektionslösung soll nicht zusammen mit der standardmäßigen IC-Medikation gegeben werden.

Vorsicht bei Rhythmusstörungen, Verwendung von Digoxin oder Corticosteroiden.

Für Frühgeborene mit „respiratory distress syndrome“ besteht ein erhöhtes Risiko eines persistierenden Ductus arteriosus Botalli, wenn sie in den ersten Lebenswochen mit Furosemid behandelt werden. Bei Frühgeborenen können Nephrocalcinose und Nierensteine auftreten. Die Nierenfunktion sollte überwacht und ein Nierenultraschall durchgeführt werden. [SmPC Lasix]

Bei adipösen Kindern sollte nach idealen Körpergewicht (IBW) dosiert werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Für allgemeingültige Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen informieren Sie sich bitte in den aktuellen Fachinformationen.

Wechselwirkungen

Interaktionspartner Grund
Glucocorticoide
Laxanzien
große Mengen Lakritze
erhöhtes Hypokaliämie-Risiko
Nicht steroidale Antiphlogistika
Acetylsalicylsäure
Ibuprofen, Flurbiprofen, Naproxen, Ketoprofen,
Diclofenac
Coxibe: Celecoxib, Parecoxib, Etoricoxib
können die blutdrucksenkende Wirkung von Furosemid abschwächen und können bei Patienten, die unter Furosemid-Therapie eine Hypovolämie entwickeln, oder bei Dehydratation das Risiko für ein akutes Nierenversagen erhöhen
Probenecid, Methotrexat und andere Arzneimittel, die wie Furosemid in der Niere beträchtlich tubulär sezerniert werden können die Wirkung von Furosemid abschwächen
nephrotoxischer Arzneimittel (z. B. Antibiotika wie Aminoglykoside, Cephalosporine, Polymyxine) Furosemid kann die schädlichen Effekte verstärken
Aminoglykosiden (z. B. Kanamycin, Gentamicin, Tobramycin) und anderen ototoxischen Arzneimitteln (z.B. Cisplatin) bei gleichzeitiger Gabe von Furosemid kann die Ototoxizität verstärkt werden
Lithium Furosemid führt zu einer verminderten Lithiumausscheidung und erhöht damit die kardio- und neurotoxischen Effekte von Lithium
andere blutdrucksenkende Arzneimittel bei der Kombination mit anderen blutdrucksenkenden Arzneimitteln ist ein stärkerer Abfall des Blutdrucks zu erwarten, besonders starke Blutdruckabfälle bis zum Schock und eine Verschlechterung der Nierenfunktion (in Einzelfällen akutes Nierenversagen) wurden insbesondere beobachtet, wenn ein ACE-Hemmer oder Angiotensin-II-Rezeptorantagonist zum ersten Mal oder erstmals in höherer Dosierung gegeben wurde.
Theophyllin möglicherweise Verstärkung der Wirkung durch Furosemid
curareartige Muskelrelaxanzien
u.a. Pancuronium, Rocuronium, Mivacurium
möglicherweise Verstärkung der Wirkung durch Furosemid
Levothyroxin Hohe Dosen Furosemid können die Bindung von Schilddrüsenhormonen an Transportproteine inhibieren. Dadurch kann es zu einem anfänglichen, vorübergehenden Anstieg freier Schilddrüsenhormone kommen, insgesamt gefolgt von einer Abnahme des Gesamtschilddrüsenhormonspiegels. Die Schilddrüsenhormonspiegel sollten überwacht werden.
Cyclosporin A bei gleichzeitiger Anwendung mit Furosemid besteht ein erhöhtes Risiko von Arthritis urica, als Folge einer durch Furosemid verursachten Hyperurikämie und einer Beeinträchtigung der renalen Harnsäureausscheidung durch Cyclosporin
Chloralhydrat In einzelnen Fällen kann es nach intravenöser Gabe von Furosemid innerhalb von 24 Stunden nach Einnahme von Chloralhydrat zu Hitzegefühl, Schweißausbruch, Unruhe, Übelkeit, Blutdruckanstieg und Tachykardie kommen. Die gleichzeitige Anwendung von Furosemid und Chloralhydrat ist daher zu vermeiden
Desmopressin (intranasal) der hyponatriämische Effekt von Desmopressin wird durch Furosemid verstärkt
Levosulpirid und Promazin bei gleichzeitiger Anwendung kann das Risiko für eine Verlängerung des QT-Intervalls erhöht sein
Gallensäurebinder (Colestyramin, Colesevelam, Colestipol) und Sucralfat können die Resorption von oral aufgenommenem Furosemid vermindern
Foscarnet Schleifendiuretika wie Furosemid erhöhen die Serumkonzentration von Foscarnet und können somit das Risiko für toxische Effekte von Foscarnet erhöhen
Obinutuzumab kann den blutdrucksenkenden Effekt verstärken
Natriumphosphat (oral, in hohen Mengen, zur vollständigen Darmentleerung) die gleichzeitige Anwendung mit Diuretika kann den nephrotoxischen Effekt von Phosphaten verstärken

[Ref.]

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen und einschlägigen Wechselwirkungsdatenbanken zu entnehmen.

HIGH-CEILING-DIURETIKA

In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.

Sulfonamide, rein

Torasemid

Unat®, Torem®
C03CA04
Aryloxyessigsäure-Derivate

Etacrynsäure

Edecrin®, Reomax®; Syn: Ethacrynsäure
C03CC01
HIGH-CEILING-DIURETIKA

Etacrynsäure

Edecrin®, Reomax®; Syn: Ethacrynsäure
C03CC01

Torasemid

Unat®, Torem®
C03CA04

Referenzen

  1. Rademaker C.M.A. et al, Geneesmiddelen-Formularium voor Kinderen [Arzneimittel-Formularium für Kinder], 2007
  2. Heijden, van der AJ, Werkboek Kindernefrologie [Arbeitsbuch zur Nephrologie bei Kindern], VU-Verlag, 2010, 2e druk [2. Auflage]
  3. Centrafarm BV, SmPC Furosemide (RVG 57091) , 14-05-2020
  4. Werkgroep Neonatale Farmacologie NVK sectie Neonatologie [Arbeitsgruppe Neugeborenenpharmakologie NVK-Sektion Neonatologie], Expert opinion [Expertenmeinung], 28. März 2018
  5. Fresenius Kabi, SmPC Furosemide (RVG 34774) 18-12-2019
  6. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, SmPC, Lasix® 20 mg Injektionslösung, Lasix® 250 mg Infusionslösung (6132084.00.00), 01/2025
  7. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, SmPC Lasix® 40 mg Tabletten/Lasix® 500 mg Tabs (6132196.00.00), 12/2024
  8. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, SmPC Lasix® liquidum 10 mg/ml Lösung zum Einnehmen (12043.00.00), 02/2024
  9. gelbe-liste.de, www.gelbe-liste.de, 05/19
  10. ratiopharm GmbH, SmPC, Furosemid-ratiopharm® 20 mg Tabletten (45266.00.00), 11/2024
  11. ratiopharm GmbH, SmPC, Furosemid-ratiopharm® 125/250 mg Tabletten (45266.01.00), 11/2024
  12. Uptodate: UpToDate®, Pediatric Drug information: Topic 13329 Version 302.0, 05/19
  13. Lurbe, E. et al, European Society of Hypertension guidelines for the management of high blood pressure in children and adolescents, J Hypertens, 2016, 34 (1) , 1-34
  14. Yeh, T. F., et al, Early furosemide therapy in premature infants (less than or equal to 2000 gm) with respiratory distress syndrome: a randomized controlled trial, J Pediat, 1984, 105 (4), 603-9
  15. Peterson, R. G., et al, Pharmacology of furosemide in the premature newborn infant, J Pediatr, 1980, 97 (1), 139-43
  16. Karabayir, N., et al, Intravenous frusemide for transient tachypnoea of the newborn: a randomised controlled trial., J Paediatr Child Health, 2006, 42 (10), 640-2
  17. Klinge, J. M., et al, Intermittent administration of furosemide versus continuous infusion in the postoperative management of children following open heart surgery., Intensive Care Med, 1997, 23 (6), 693-7
  18. van der Vorst, M. M., et al, An exploratory study with an adaptive continuous intravenous furosemide regimen in neonates treated with extracorporeal membrane oxygenation, Crit Care, 2007, 11 (5), R111
  19. Mirochnick, M. H., et al, Furosemide pharmacokinetics in very low birth weight infants., J Pediatr, 1988, 112 (4), 653-7
  20. Stewart, A., et al, Intravenous or enteral loop diuretics for preterm infants with (or developing) chronic lung disease, Cochrane Database Syst Rev, 2011, (9), Cd001453
  21. van der Vorst, M. M., et al, Evaluation of furosemide regimens in neonates treated with extracorporeal membrane oxygenation, Crit Care, 2006, 10 (6), R168
  22. Vert, P., et al, Pharmacokinetics of furosemide in neonates., Eur J Clin Pharmacol , 1982, 22(1), 39-45
  23. Wiswell, T. E., et al, Effect of furosemide on the clinical course of transient tachypnea of the newborn, Pediatrics , 1985, 75 (5), 908-10
  24. Proveca Pharma Limited, SmPC Bopediat 5 mg Schmelztabletten (EU/1/26/2027/001)

Änderungsverzeichnis

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung