Colestyramin

Wirkstoff
Colestyramin
Handelsname
Quantalan®, Vasosan®, Lipocol®
ATC-Code
C10AC01

Zulassung
Dosierungsempfehlungen

Präparate
Pharmakodynamik und -kinetik
Nierenfunktionsstörungen
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Wechselwirkungen
Wirkstoffe der gleichen ATC-Klasse
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Pharmakodynamik

Colestyramin ist ein basischer Anionenaustauscher. Da Colestyramin Gallensäuren im Darm bindet und ihre Rückresorbierung hemmt, kommt es bei schwindendem Gallensäurenpool zur Heraufregulierung des Leberenzyms Cholesterol-7-a-Hydroxylase, wodurch die Umwandlung von Cholesterol zu Gallensäuren gesteigert wird. Dies führt zu einem verstärkten Bedarf an Cholesterol in den Leberzellen, was eine zweifache Wirkung auslöst: einmal die Steigerung der Transkription und Aktivität des Cholesterolbiosynthese-Enzyms Hydroxymethyl-glutarylcoenzym A (HMG - CoA) Reduktase und auf der anderen Seite die Steigerung der Anzahl der hepatischen Low-Density-Lipoprotein-Rezeptoren. Es kann auch zum gleichzeitigen Anstieg der Very-Low-Density-Lipoproteinsynthese kommen. Diese ausgleichenden Wirkungen führen zu einer gesteigerten Clearance von LDL-C aus dem Blut, und dies löst wiederum eine Senkung der LDL-C-Serumspiegel aus. 

Pharmakokinetik bei Kindern

Colestyramin wird nicht aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert. [SmPC Quantalan®]

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Cholestatischer Juckreiz, Hypercholesterinämie
    • oral
      • ≥0 Jahre bis <2 Jahre: off-label
      • ≥2 Jahre bis <18 Jahre: zugelassen
  • Diarrhoe verursacht durch Gallensalze
    • oral
      • ≥0 Jahre bis <2 Jahre: off-label
      • ≥2 Jahre bis <18 Jahre: zugelassen

Auszug aus Fachinformation Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Oral 
- Die gleichzeitige Anwendung von Colestyramin mit einem HMG-CoA-Reduktaseinhibitor (Statin) ist als adjuvante Therapie zur Diät angezeigt, um eine additive Reduktion der LDL-Cholesterol-(LDL-C-)-Spiegel bei Patienten mit primärer Hypercholesterolämie zu erzielen, bei denen mit einem Statin allein keine ausreichende Kontrolle möglich ist.
- als Monotherapie als adjuvante Therapie zur Diät zur Reduktion des erhöhten Gesamt- und LDL-Cholesterols bei Patienten mit isolierter primärer Hypercholesterolämie angezeigt, bei denen ein Statin als unangemessen betrachtet wird oder nicht gut vertragen wird.
- Chologene Diarrhoen.
- Pruritus oder Ikterus bei partiellem Gallengangsverschluss.

Kinder und Jugendliche:

Für Kinder wird die Dosierung nach dem Körpergewicht berechnet: [Körpergewicht (kg) × Erwachsenendosis (g)] / 70 kg = Colestyramin (g).
Um mögliche gastrointestinale Nebenwirkungen gering zu halten, ist es sinnvoll, die Behandlung bei Kindern immer mit einer Dosis pro Tag zu beginnen. Anschließend sollte die Dosis schrittweise alle 5 – 7 Tage bis zum erwünschten therapeutischen Effekt gesteigert werden.

[Ref.]

Präparate im Handel

Pulver zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen 4 g
Granulat zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen 4 g
Kautabletten 2 g

Präparate im Handel (ausgewählte Beispiele):

Präparat Darreichungsform Stärke (Colestyramin) Applikationsweg Natriumgehalt Problematische Hilfsstoffe Aroma Anwendungshinweis Altersangabe
Quantalan® Pulver zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen 4 g/Dosisbeutel
 
oral k.A. Aspartam (30 mg/Dosisbeutel)
Propylenglykol (32,5 mg/Dosisbeutel)
Orange
Einnahme zu den Mahlzeiten eingerührt in reichlich (beliebiger) Flüssigkeit.
 
Kinder
Vasosan P Granulat zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen 4 g/Dosisbeutel oral k.A. Saccharose Orange Kinder
Vasosan S 4 g/Dosisbeutel
4 g entsprechen 2 Messlöffel
oral k.A. Saccharose Orange Kinder
Lipocol-Merz®
 
Kautabletten
 
2 gT0,M0 oral k.A. Sucrose
Propylenglykol
Lemon Einnahme zu den Mahlzeiten. Kautabletten gründlich eingespeicheln und anschließend zerkauen oder lutschen. Nach der Einnahme reichlich Flüssigkeit nachtrinken. Kinder


T0: nicht teilbar, M0: nicht mörserbar, k.A.: keine Angabe

Die Fachinformationen wurden am 02.09.2025 aufgerufen.

Neben den aufgeführten Präparaten befinden sich diverse weitere Fertigarzneimittel im Handel.

Lieferengpässe/weitere praktische Informationen

Lieferengpässe für Humanarzneimittel in Deutschland (ohne Impfstoffe)

Dosierungsempfehlungen

Cholestatischer Juckreiz, Hypercholesterinämie
  • Oral
    • < 6 Jahre
      [4]
      • Initialdosis: 1 - 4 g/Tag in 1 - 2 Dosen. Max: 16 g/Tag. Erhaltungsdosis: Bei Bedarf alle 5-7 Tage die Dosis je nach Wirkung anpassen.
      • <2 Jahre: off-label

    • 6 Jahre bis 18 Jahre
      [2] [3] [4] [5]
      • Initialdosis 12 - 16 g/Tag in 1 - 2 Dosen. Max: 24 g/Tag. Erhaltungsdosis: Geringste wirksame Dosis, die in Abhängigkeit vom klinischen Ansprechen bestimmt wird.
Diarrhoe verursacht durch Gallensalze
  • Oral
    • < 6 Jahre
      [4] [6] [7]
      • Initialdosis: 1 - 4 g/Tag in 4 Dosen. Max: 16 g/Tag. Erhaltungsdosis:  Bei Bedarf alle 5-7 Tage die Dosis je nach Wirkung anpassen.
      • Behandlungsdauer:

        Tritt innerhalb von 3 Tagen keine Verbesserung auf, muss ein anderer Therapieansatz verfolgt werden.

      • <2 Jahre: off-label

    • 6 Jahre bis 18 Jahre
      [4]
      • Initialdosis 16 g/Tag in 4 Dosen. Max: 24 g/Tag. Erhaltungsdosis: Geringste wirksame Dosis, die in Abhängigkeit vom klinischen Ansprechen bestimmt wird.
      • Behandlungsdauer:

        Tritt innerhalb von 3 Tagen keine Verbesserung auf, muss ein anderer Therapieansatz verfolgt werden.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Sehr selten (<0,01 %): hyperchlorämische Azidose [SmPC Lipocol-Merz]

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Sehr häufig (>10 %): Obstipation

Häufig (1-10 %): Übelkeit, Völlegefühl, Sodbrennen, Appetitlosigkeit, Dyspepsie, Brechreiz, Blähungen, Diarrhöen

Gelegentlich (0,1-1 %): Erbrechen

Sehr selten (<0,01 %): Verstärkung einer vorbestehenden Steatorrhoe, hyperchlorämische Azidose bei Patienten mit Niereninsuffizienz unter Langzeittherapie, Mangel fettlöslicher Vitamine, erniedrigte Folsäurekonzentration im Blut

Häufigkeit nicht bekannt:  Anstieg der alkalischen Phosphatase und der Transaminasen (zu Therapiebeginn), Rötungen und Reizungen der Haut/der Zunge/im Perianalbereich, allergische Reaktionen

Die vollständige Auflistung aller unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

  • Darmverschluss oder Gallengangverlegung
  • Bei gleichzeitiger Anwendung von Colestyramin mit einem Statin sollte die Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels für das jeweilige Statin bezüglich der Gegenanzeigen konsultiert werden.

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Um gastrointestinalen Nebenwirkungen vorzubeugen, sollte die Therapie bei Kindern mit 1 Dosis Colestyramin begonnen werden. Die Dosierung sollte schrittweise (alle 5-7 Tage) bis zur gewünschten Wirkung gesteigert werden. Bei Langzeitanwendung von Colestyramin in hoher Dosierung kann es zu einer hyperchlorämischen Azidose kommen, da Colestyramin das Chlorid eines Anionenaustauschers ist. Dies gilt insbesondere für jüngere und leichtere Patienten, bei welchen die relative Dosis höher ist.

Außerdem kann bei Langzeitanwendung hoher Dosen die normale Fettaufnahme gestört und die Resorption fettlöslicher Vitamine reduziert sein. In diesem Fall sollten die Vitamine A und D substituiert werden.

Die chronische Verwendung von Colestyramin kann eine erhöhte Blutungsneigung verursachen aufgrund von Vitamin K-Mangel ausgelöster Hypoprothrombinämie. Eine parenteraler Vitamin K-Verabreichung kann indiziert sein. Eine Reduktion des Folsäuregehalts im Serum oder in den roten Blutkörperchen wurde beobachtet, weshalb die Behandlung mit Folsäure erwogen werden kann.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Für allgemeingültige Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen informieren Sie sich bitte in den aktuellen Fachinformationen.

Wechselwirkungen

Die Eigenschaften von Colestyramin als Anionenaustauscherharz bringen es mit sich, dass grundsätzlich eine Verzögerung oder Verminderung der Resorption anderer oral verabreichter Medikamente, wie z. B.

  • Phenylbutazon, Warfarin, Hydrochlorothiazid, Tetracyclin, Penicillin G, Phenobarbital, Schilddrüsenpräparate und Digitalis erfolgen kann.

Wenn eine Wechselwirkung mit einem gleichzeitig angewendeten Arzneimittel nicht ausgeschlossen werden kann, sollte dieses Arzneimittel mindestens 1 Stunde vor oder 4 Stunden nach Colestyramin verabreicht werden, um das Risiko einer verringerten Absorption des gleichzeitig angewendeten Arzneimittels zu minimieren.

[Ref.]

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen und einschlägigen Wechselwirkungsdatenbanken zu entnehmen.

MITTEL, DIE DEN LIPIDSTOFFWECHSEL BEEINFLUSSEN, REIN

In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.

HMG-CoA-Reduktasehemmer

Atorvastatin

Atoris®, Lipitor®, Sortis®
C10AA05

Pravastatin

Mevalotin protect®
C10AA03

Rosuvastatin

Crestor®, Rosuvador®
C10AA07

Simvastatin

Zocor®
C10AA01
Andere Mittel, die den Lipidstoffwechsel beeinflussen

Ezetimib

Ezetrol®
C10AX09
MITTEL, DIE DEN LIPIDSTOFFWECHSEL BEEINFLUSSEN, REIN

Atorvastatin

Atoris®, Lipitor®, Sortis®
C10AA05

Ezetimib

Ezetrol®
C10AX09

Pravastatin

Mevalotin protect®
C10AA03

Rosuvastatin

Crestor®, Rosuvador®
C10AA07

Simvastatin

Zocor®
C10AA01

Referenzen

  1. Farah JR, et al, Dose-effect relation of cholestryamine in children and young adults with familial hypercholesterolaemia, Lancet, 1977, 1, 59-63.
  2. Glueck CJ, et al, Therapy of familial hypercholesterolemia in childhood: diet and cholestyramine resin for 24 to 36 months, Pediatrics, 1977, 59, 433-41
  3. Liacouras CA, et al, Use of cholestyramine in the treatment of children with familial combined hyperlipidemia, J Pediatr., 1993, 122, 477-82
  4. CHEPLAPHARM Arzneimittel GmbH, SmPC Questran (RVG 06761) 17-02-2023
  5. Tonstad S, et al, Efficacy and safety of cholestyramine therapy in peripubertal and prepubertal children with familial hypercholesterolemia, J Pediatr, 1996, 129, 42-9
  6. Vesikari T, et al, A comparative trial of cholestyramine and loperamide for acute diarrhoea in infants treated as outpatients, Acta Paediatr Scand, 1985, 74, 650-4
  7. Vesikari T, et al, Efficacy of cholestyramine in acute infantile diarrhoea: placebo-controlled double-blind trial in hospitalized children and in outpatients, J Diarrhoeal Dis Res, 1984, 2, 151-8
  8. CHEPLAPHARM Arzneimittel GmbH , SmPC Quantalan® zuckerfrei Pulver zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen (24903.00.00), 02/2023
  9. Merz Pharmaceuticals GmbH, SmPC Lipocol-Merz® Kautablette, 2 g (6143685.00.00), 10/2019
  10. Agraria Pharma GmbH, SmPC Vasosan® P (3000152.00.00), 01/2023
  11. Agraria Pharma GmbH, SmPC Vasosan® S (3000151.00.00), 01/2023

Änderungsverzeichnis

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung