Pharmakodynamik
Tiratricol (3,3',5-Triiodthyroessigsäure) ist ein natürlich zirkulierender Metabolit des aktiven Schilddrüsenhormons T3 mit einem hohen strukturellen Ähnlichkeitsgrad und folgt dem gleichen Abbauweg (Deiodierung und Konjugation) und der Elimination über Galle und Urin. Tiratricol ist biologisch aktiv, bindet mit hoher Affinität an die Schilddrüsenhormonrezeptoren TRα und TRß und zeigt ähnliche biologische Wirkungen wie T3, wenn auch mit unterschiedlicher Gewebespezifität. Es wurde nachgewiesen, dass Tiratricol im Gegensatz zu T3 und T4 ohne einen funktionierenden Monocarboxylat-Transporter 8 (MCT8)-Transporter in die von MCT8 abhängigen Zellen eindringen kann. Tiratricol kann dadurch T3 in MCT8-abhängigem Gewebe ersetzen und die normale Schilddrüsenhormonaktivität in diesen Geweben wieder herstellen.
Pharmakokinetik bei Kindern
Es sind keine spezifischen Informationen für Kinder vorhanden.
Zulassung der Dosierungsempfehlungen
- Periphere Thyreotoxikose mit Mangel an Monocarboxylat-Transporter 8 (MCT8) (Allan-Herndon-Dudley-Syndrom)
- oral
- Neugeborene: zugelassen
- ≥1 Monat bis 18 Jahre: zugelassen
Auszug aus Fachinformation
Auszug aus Fachinformation
Textauszug aus Fachinformation
Oral bei peripherer Thyreotoxikose mit Mangel an Monocarboxylat-Transporter 8 (MCT8) (Allan-Herndon-Dudley-Syndrom).
Die Dosierung von Tiratricol sollte bei jedem Patienten auf der Grundlage der Schilddrüsenhormonspiegel titriert werden.
Die Dosis sollte während einer Titrationsphase schrittweise etwa alle zwei Wochen erhöht werden, bis eine Erhaltungsdosis erreicht ist. Generell wird empfohlen, die Dosis so lange zu titrieren, bis der T3-Wert im Serum unter dem Mittelwert des Normalbereichs für das jeweilige Alter liegt. Die Dosis kann je nach Ansprechen des Patienten auf die Behandlung (Verbesserung klinischer Parameter) weiter angepasst werden.
Die Notwendigkeit weiterer Dosisanpassungen sollte in Übereinstimmung mit der klinischen Praxis regelmäßig neu bewertet werden.
Die TSH- und fT4-Werte können zusätzliche Informationen liefern, um die individuelle Dosierung einzustellen.
Neugeborene, Säuglinge, Kleinkinder und Kinder mit einem Körpergewicht unter 10 kg:
Die empfohlene Anfangsdosis für Patienten mit einem Körpergewicht unter 10 kg beträgt 175 Mikrogramm täglich. Die tägliche Dosis sollte schrittweise alle zwei Wochen um 175 Mikrogramm erhöht werden, bis eine Erhaltungsdosis erreicht ist. Es wird nicht empfohlen, eine tägliche Dosis von 100 Mikrogramm/kg bei Patienten mit einem Körpergewicht unter 10 kg zu überschreiten. Die Gesamttagesdosis sollte in 1 bis 3 Dosen über den ganzen Tag verteilt (z. B. morgens, mittags, abends) verabreicht werden.
Jugendliche, Kinder und Kleinkinder mit einem Körpergewicht von 10 kg oder mehr:
Die empfohlene Anfangsdosis für Patienten mit einem Körpergewicht von 10 kg oder mehr beträgt 350 Mikrogramm täglich. Die tägliche Dosis sollte schrittweise alle zwei Wochen um 350 Mikrogramm erhöht werden, bis eine Erhaltungsdosis erreicht ist. Es wird nicht empfohlen, eine Tagesdosis von 80 Mikrogramm/kg bei Patienten mit einem Körpergewicht zwischen 10 und 40 kg, 60 Mikrogramm/kg bei Patienten mit einem Körpergewicht zwischen 40 und 60 kg und 50 Mikrogramm/kg bei Patienten mit einem Körpergewicht über 60 kg zu überschreiten. Die Gesamttagesdosis sollte in 1 bis 3 Dosen über den ganzen Tag verteilt (z. B. morgens, mittags, abends) verabreicht werden.
[Ref.]
Präparate im Handel
Tablette zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen 350 µg
Präparat im Handel:
| Präparat |
Darreichungsform |
Stärke (Tiratricol) |
Applikationsweg |
Natriumgehalt |
Problematische Hilfsstoffe |
Anwendungshinweis |
Altersangabe |
| Emcitate |
Tablette zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen |
350 µgT2,So,S |
oral |
k.A. |
Lactose |
Tabletten (max. 4) auflösen in 30 mL Wasser. Verabreichung per Applikationsspritze oder Ernährungssonde, mit 10 mL Wasser nachspülen. |
ab Neugeborenenalter |
T2: teilbar in zwei gleiche Dosen, S: suspendierbar, So: sondengängig, k.A.: keine Angabe
Die Fachinformation wurden am 14.01.2026 aufgerufen.
Lieferengpässe/weitere praktische Informationen
Lieferengpässe für Humanarzneimittel in Deutschland (ohne Impfstoffe)
Dosierungsempfehlungen
| Periphere Thyreotoxikose mit Mangel an Monocarboxylat-Transporter 8 (MCT8) (Allan-Herndon-Dudley-Syndrom) |
- Oral
-
<
10 kg
[1]
[2]
- Initialdosis:
175
microg./Tag
in 1
- 3
Dosen.
- Erhaltungsdosis:
Die Initialdosis alle zwei Wochen in Schritten von 175 microg. entsprechend dem Serum-T3-Spiegel anpassen auf
350
- 1.050
microg./Tag
in 1
- 3
Dosen. Max: 100 microg./kg/Tag.
-
10
bis
40 kg
[1]
[2]
- Initialdosis:
350
microg./Tag
in 1
- 3
Dosen.
- Erhaltungsdosis:
Die Initialdosis alle zwei Wochen in Schritten von 350 microg. entsprechend dem Serum-T3-Spiegel anpassen auf
700
- 2.100
microg./Tag
in 1
- 3
Dosen. Max: 80 microg./kg/Tag.
-
40
bis
60 kg
[1]
[2]
- Initialdosis:
350
microg./Tag
in 1
- 3
Dosen.
- Erhaltungsdosis:
Die Initialdosis alle zwei Wochen in Schritten von 350 microg. entsprechend dem Serum-T3-Spiegel anpassen auf
700
- 2.100
microg./Tag
in 1
- 3
Dosen. Max: 60 microg./kg/Tag.
-
≥ 60 kg
[1]
[2]
- Initialdosis:
350
microg./Tag
in 1
- 3
Dosen.
- Erhaltungsdosis:
Die Initialdosis alle zwei Wochen in Schritten von 350 microg. entsprechend dem Serum-T3-Spiegel anpassen auf
700
- 2.100
microg./Tag
in 1
- 3
Dosen. Max: 50 microg./kg/Tag.
|
Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate
Bei diesen Patienten werden eine sorgfältige Dosistitration und eine regelmäßige Überwachung des T3-Werts im Serum empfohlen. [SmPC Emcitate]
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern
Die Daten aus klinischen Studien geben keinen Hinweis darauf, dass sich das Sicherheitsprofil in irgendeiner Untergruppe der Kinder und Jugendlichen vom Sicherheitsprofil bei erwachsenen Patienten unterscheidet. [SmPC Emcitate]
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein
Häufig (1-10 %): Reizbarkeit, Angstzustände, Albträume, Durchfall, Hyperhidrose
Häufigkeit nicht bekannt: Schlaflosigkeit, Tachykardie, Hyperthermie
Die vollständige Auflistung aller unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
Kontraindikationen allgemein
- Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) aus anderen Gründen als MCT8-Mangel (z.B. Morbus Basedow)
- Schwangerschaft
Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein
Für allgemeingültige Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen informieren Sie sich bitte in den aktuellen Fachinformationen.
Wechselwirkungen
Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.
SCHILDDRÜSENPRÄPARATE
In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.
| Schilddrüsenhormone |
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Levothyroxin
Euthyrox®, Eferox®; Syn.: L-Thyroxin, Tetrajodthyronin, T4
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H03AA01
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| SCHILDDRÜSENPRÄPARATE |
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Levothyroxin
Euthyrox®, Eferox®; Syn.: L-Thyroxin, Tetrajodthyronin, T4
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H03AA01
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Referenzen
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Rare Thyroid Therapeutics International AB, SmPC Emcitate 350 Mikrogramm Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen (EU/1/24/1897/001) , 11/03/2025, www.ema.europa.eu
-
Rare Thyroid Therapeutics International AB, SmPC Emcitate 350 Mikrogramm Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen (EU/1/24/1897/001), 02/2025
Änderungsverzeichnis
- 15 Januar 2026 16:05: Neue Monographie
Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)
Überdosierung