Natriumperchlorat

Wirkstoff
Natriumperchlorat
Handelsname
Irenat, Thyronat
ATC-Code
H03BC

Zulassung
Dosierungsempfehlungen

Präparate
Pharmakodynamik und -kinetik
Nierenfunktionsstörungen
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Wechselwirkungen
Wirkstoffe der gleichen ATC-Klasse
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Pharmakodynamik

Perchlorat hemmt kompetitiv den Iodaufnahme-Mechanismus der Schilddrüse, die Iodination und beeinflusst die Iodisation durch Ausschwemmung von akkumulierendem, aber noch nicht im Thyreoglobulin-Molekül eingebautem Iodid aus der Schilddrüse. Auch die Reutilisierung des bei der Deiodierung von Schilddrüsenhormon extrathyreoidal freiwerdenden Iodids wird gehemmt. Ebenso kann die Aufnahme von abgespaltenem Iodid bei Gabe von iodhaltigen Kontrastmitteln durch Perchlorat kompetitiv gehemmt werden. Analoges gilt für die Technetium-Pertechnetat-Aufnahme. Perchlorat entfaltet überall dort seine Wirkung, wo, wie in der Schilddrüse, ein aktiver Iodtransportmechanismus existiert, (z. B. in der Speicheldrüse) und auch die renale Iodidausscheidung wird gesteigert. Der thyreostatische Effekt beruht auf der eingetretenen Iodverarmung.

Pharmakokinetik bei Kindern

Es sind keine spezifischen Informationen für Kinder vorhanden.

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Hyperthyreose
    •  oral
      • ≥6 Jahre bis <18 Jahre: zugelassen
  • Vorbehandlung von szintigraphische Untersuchungen, Immunszintigraphien
    • oral
      • Neugeborene: zugelassen
      • ≥1 Monat bis <18 Jahre: zugelassen
  • Perchlorat-Discharge-Test
    • oral
      • ≥2 Jahre bis <18 Jahre: zugelassen
  • Schilddrüsenblockade bei einem Notfall mit Freisetzung von radioaktivem Iod
    • oral
      • ≥2 Jahre bis <18 Jahre: zugelassen

Auszug aus Fachinformation Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Oral zur Therapie der Schilddrüsenüberfunktion.

Kinder von 6 bis 14 Jahren:
Kinder im Alter von 6-14 Jahren werden mit einer Dauerdosis von 3-6 x 1 oder 4-6 x 2 Natriumperchlorat Tropfen (entsprechend 60-240 mg Natriumperchlorat) täglich behandelt.

[Ref.]

Oral zur Blockade der Schilddrüse bei szintigraphischen Untersuchungen anderer Organe mit radioaktiv markiertem Jod bzw. Technetium, oder bei Immunszintigraphien zur Tumorsuche mit Radiojod markierten Antikörpern.

Kinder unter 2 Jahren:
5 Tropfen (entsprechend 100 mg Natriumperchlorat)

Kinder von 2 bis 12 Jahren:
10 Tropfen (entsprechend 200 mg Natriumperchlorat)

[Ref.]

Oral zum Nachweis eines angeborenen Defektes der Iodorganifikation (Perchlorat-Discharge-Test).

Kinder:
Bei der Verwendung zum sog. Perchlorat-Discharge-Test werden nach Gabe der Radioiod-Tracer Dosis einmalig 300 mg-600 mg/m2 Körperfläche verabreicht.

[Ref.]

Oral zur Schilddrüsenblockade bei einem Notfall mit Freisetzung von radioaktivem Iod.

Kinder:
Zur Schilddrüsenblockade bei einem Notfall mit Freisetzung von radioaktivem Iod empfiehlt die Strahlenschutzkommission, falls Kaliumiodid kontraindiziert ist, folgende Dosierungen von Natriumperchlorat, die möglichst wenige Stunden vor der Aufnahme von radioaktivem Iod einzunehmen sind gemäß den Anweisungen der zuständigen Behörden:
einmalig 15 bis 30 Tropfen (entsprechend 300 mg bis 600 mg Natriumperchlorat) pro m2 Körperoberfläche.
Für den Fall der wiederholten oder länger anhaltenden Freisetzung sowie bei Freisetzung mehr als einige Stunden nach zurückliegender Medikamenteneinnahme ist u. U. analog zur Iodblockade eine erneute Einnahme von Natriumperchlorat nach 24 Stunden erforderlich.

[Ref.]

weitere zugelassene Indikationen bei Erwachsenen: 
- Gabe iodhaltiger Röntgenkontrastmittel 

[Ref.]

Präparate im Handel

Tropfen 300 mg/mL

Die im Handel befindlichen Präparate enthalten Natriumperchlorat in Form von Natriumperchlorat-Monohydrat. Die Angabe der Wirkstoffkonzentration und Dosierung ist jeweils auf Natriumperchlorat bezogen.

Präparate im Handel (ausgewählte Beispiele):

Präparat Darreichungsform Stärke (Natriumperchlorat) Applikationsweg Natriumgehalt Problematische Hilfsstoffe Anwendungshinweis Altersangabe
Irenat Tropfen 300 mg/ml Tropfen zum Einnehmen Tropfen zum Einnehmen 300 mg/ml oral k.A. - Einnahme mit ausreichend Wasser, am besten nach dem Essen und wegen der kurzen Wirkdauer auf 4-6 Einzeldosen über den Tag verteilt einzunehmen. Kinder


k.A.: keine Angabe

Die Fachinformationen wurden am 08.01.2026 aufgerufen.

Neben den aufgeführten Präparaten befinden sich diverse weitere Fertigarzneimittel im Handel.

Lieferengpässe/weitere praktische Informationen

Lieferengpässe für Humanarzneimittel in Deutschland (ohne Impfstoffe)

Dosierungsempfehlungen

Gehe zu:

Hyperthyreose
  • Oral
    • Tropfen zur oralen Einnahme, Lösung
      • 6 Jahre bis 14 Jahre
        [2] [3]
        • 3 - 6 Tropfen/Tag in 1 Dosis oder 8–12 Tropfen/Tag in 2 Dosen. ≙ 60–240 mg/Tag.
      • 14 Jahre bis 18 Jahre
        [2] [3]
        • Initialdosis: 40 - 50 Tropfen/Tag in 4 - 5 Dosen. ≙ 800 bis 1000 mg/Tag. In den ersten 1 bis 2 Wochen. 

          In Ausnahmefällen 75 Tropfen/Tag in 5 Dosen. ≙ 1500 mg/Tag

        • Erhaltungsdosis: 20 Tropfen/Tag in 4 Dosen. ≙ 400 mg/Tag.
Vorbehandlung von szintigraphischen Untersuchungen
  • Oral
    • Tropfen zur oralen Einnahme, Lösung
      • 1 Monat bis 2 Jahre
        [1] [3]
        • 30 min bis 1 Stunde vor der Anwendung des Radiopharmakons: einmalig 5 Tropfen, ≙ 100 mg

      • 2 Jahre bis 12 Jahre
        [1] [3]
        • 30 min bis 1 Stunde vor der Anwendung des Radiopharmakons: einmalig 10 Tropfen, ≙ 200 mg

      • 12 Jahre bis 18 Jahre
        [1] [3]
        • 30 min bis 1 Stunde vor der Anwendung des Radiopharmakons: einmalig 20 Tropfen, ≙ 400 mg

Perchlorat - Discharge - Test
  • Oral
    • Tropfen zur oralen Einnahme, Lösung
      • 2 Jahre bis 18 Jahre
        [1] [2] [3]
        • Nach Gabe der Radioiod-Tracer-Dosis: einmalig 15-30 Tropfen (≙ 300-600 mg) pro m2 Körperoberfläche

Schilddrüsenblockade bei einem Notfall mit Freisetzung von radioaktivem Iod
  • Oral
    • Tropfen zur oralen Einnahme, Lösung
      • 2 Jahre bis 18 Jahre
        [3]
        • Möglichst wenige Stunden vor der Aufnahme von radioaktivem Iod: einmalig 15-30 Tropfen (≙ 300-600 mg) pro m2 Körperoberfläche

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Keine Informationen zur Dosisanpassung bei Nierenfunktionsstörung vorhanden.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Häufig (1-10 %): ein flüchtiges Exanthem, Übelkeit oder Brechreiz, Mundtrockenheit, pharyngitische Reizungen, Lymphadenopathie, Leukopenie, Purpura, fieberhafte Arthralgie, Arzneimittelfieber

Gelegentlich (0,1-1 %): anfänglicher Durchfall, leichte Muskelkrämpfe, Brennen in den Füßen, Schwere im Kopf, Eosinophilie, Juckreiz, Ikterus, Agranulozytose

Sehr selten (<0,01 %): Agranulozytose mit letalem Ausgang, Thrombozytopenie oder aplastische Anämie mit fatalem Ausgang (Inzidenz ca. 0,1 %), minimale Albuminurie, nephrotisches Syndrom, partiell oder vollständig reversibel, Haarausfall, Akne, generalisierte Dermatitis, Urtikaria, Leberschädigung mit akutem Leberversagen, Erythema nodosum mit Fieberschüben, antinukleären und antierythrozytären Antikörpern und Eosinophilie, Perforation eines Duodenalulkus

Häufigkeit nicht bekannt: schwere Hautreaktionen wie z.B. Stevens-Johnson-Syndrom, Toxisch Epidermale Nekrolyse 

Die vollständige Auflistung aller unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

  • retrosternaler Struma
  • Überempfindlichkeit gegen Perchlorate oder einen der sonstigen Bestandteile
  • bei bereits zuvor unter Perchlorat-Gabe aufgetretenen Blubildveränderungen, insbesondere 
  • einer Agranulozytose
  • während Plummerung zur Operationsvorbereitung

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Für allgemeingültige Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen informieren Sie sich bitte in den aktuellen Fachinformationen.

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

SCHILDDRÜSENTHERAPIE

In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.

SCHILDDRÜSENPRÄPARATE

Levothyroxin

Euthyrox®, Eferox®; Syn.: L-Thyroxin, Tetrajodthyronin, T4
H03AA01

Tiratricol

Emcitate
H03AA04
THYREOSTATIKA
H03BB01

Propylthiouracil

Propycil®
H03BA02

Thiamazol

Methizol®, Thyrozol®
H03BB02

Referenzen

  1. UMIP Limited , SmPC Thyronat Tropfen , 07/2025
  2. Dotopharma GmbH, SmPC Irenat Tropfen 300 mg/ml Tropfen zum Einnehmen , 12/2024
  3. Dyckerhoff Pharma GmbH & Co. KG , SmPC Natriumperchlorat Dyckerhoff 300 mg/ml Tropfen zum Einnehmen, 03/2024

Änderungsverzeichnis

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung