Epinephrin bezeichnet als INN das biologisch aktive, linksdrehende oder R-(–)-Adrenalin; es ist das physiologische Hormon aus den chromaffinen Zellen des Nebennierenmarks. Epinephrin (Adrenalin) gehört zur Gruppe der Katecholamine. Es wird vor allem in den chromaffinen Zellen des Nebennierenmarks gebildet und neben wenig Norepinephrin durch das autonome Nervensystem gesteuert cholinerg freigesetzt. Über das Blut gelangt es zu den Erfolgsorganen und übt dort Neurotransmitter- und Hormonfunktionen im Sinne einer Aktivierung des sympathischen Systems aus. Epinephrin reagiert mit allen adrenergen Rezeptoren (α1-, α2-, β1- und β2-Rezeptoren). Die Wirkungen sind abhängig vom organspezifischen Rezeptorverteilungsmuster, der Applikationsweise sowie der verabreichten Dosis.
In physiologischen, d. h. niedrigen Dosen kontrahiert Epinephrin die Gefäße von Haut, Schleimhaut und Baucheingeweiden, erweitert aber die Widerstandsgefäße der Skelettmuskulatur. Der diastolische Blutdruck sinkt, während der systolische Blutdruck durch Erhöhung des Herzzeitvolumens ansteigt.
In hohen, nicht mehr physiologischen Dosen kommt es durch Überwiegen der α-adrenergen Wirkungen zu einer Kontraktion aller Gefäße und zu einem Anstieg des systolischen und diastolischen Blutdrucks.
Intravenös
Kinder: Es sind keine speziellen Daten für Kinder verfügbar.
Erwachsene: Nahezu vollständige Metabolisierung in der Leber und renale Eliminierung.
- T1/2: ca. 3 min
- BV: 60-100 %
[SmPC Suprarenin Ampullen]
Nasal
Die Pharmakokinetik von Adrenalin war bei pädiatrischen Patienten in den Gewichtsklassen 15 kg bis 30 kg und ab 30 kg geringfügig höher als die Expositionswerte, die bei Erwachsenen mit derselben Dosis beobachtet wurden, was auf eine vergleichbare Absorption bei Kindern hinweist.
| N | Tmax (min) Median (Bereich) |
Cmax (pg/mL) Mittelwert (% VK) |
Cmax (pg/mL) Geometrischer Mittelwert |
|
| 2 mg i.n. (Verabreichung durch Arzt) | 78 | 20,5 (2 – 150) | 485 (70,6) | 361 |
| 2 mg i.n. (Selbstverabreichung) | 32 | 30 (10 - 240) | 448 (67,1) | 342 |
| 2 mg i.n. (Pädiatrische Patienten ≥ 30 kg) | 16 | 25 (2,5 - 120) | 540 (70,7) | 433 |
| 2 mg i.n. (Pädiatrische Patienten 15 - 30 kg) | 21 | 20,0 (2,50 - 61,5) | 651 (64,2) | 520 |
| 2 mg i.n. zweimal (L/R) | 39 | 30 (6 – 150) | 1.000 (93,1) | 706 |
| 2 mg i.n. zweimal (R/R) | 39 | 30 (4 – 150) | 992 (75,3) | 729 |
i.n.: intranasal, L: Links, R: rechts, VK: Variationskoeffizient, N: Anzahl der Patienten
[SmPC EURneffy]
Injektionslösung in Ampulle 1 mg/mL
Injektionslösung in einer Fertigspritze 0,1 mg/mL
Autoinjektor 150 µg, 300 µg, 500 µg
Nasenspray, Lösung in Einzeldosisbehälter 1 mg, 2 mg
Beachte:
1 mg/mL ≙ 1:1.000 ≙ 0,1 %
0,1 mg/mL ≙ 1:10.000 ≙ 0,01 %
Für i.m.-Verabreichung: 1 mg/mL (1:1.000) Lösung verwenden.
Für i.v.-Verabreichung: 0,1 mg/mL (1:10.000) Lösung verwenden.
Verdünnung: Adrenalin 1:10.0000 = 9 mL NaCl 0,9 % plus 1 mL (= 1 Ampulle) Adrenalin 1:1.000
Präparate im Handel (ausgewählte Beispiele):
| Präparat | Darreichungsform | Stärke (Adrenalin) | Applikationsweg | Natriumgehalt | Problematische Hilfsstoffe | Anwendungshinweis | Schulungsmaterial | Altersangabe |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| ADRENALIN 1 : 1000 INFECTOPHARM® | Injektionslösung in Ampulle (1 mL) |
1 mg/mL | unverdünnt (1:1.000): nur i.m. verdünnt (1:10.000): i.v., endotracheal |
„natriumfrei“ | Natriummetabisulfit (1 mg/mL) | siehe Fachinformation | - | ohne Altersbegrenzung |
| Suprarenin® | Injektionslösung in Ampulle (1 mL)/Durchstechflasche (25 mL) |
1 mg/mL | unverdünnt (1:1.000): nur i.m., s.c. verdünnt (1:10.000): i.v., endotracheal, intraossär (bei Kindern <6 Jahren), intrakardial |
„natriumfrei“ | Natriummetabisulfit (max. 0,5 mg/mL) | siehe Fachinformation | - | ohne Altersbegrenzung |
| Adrenalin 1:10.000 Aguettant | Injektionslösung in einer Fertigspritze (10 mL) | 0,1 mg/mL | intravenös oder intraossär (nur bei Kindern >5 kg), endotracheal (jedes Körpergewicht), (nicht i.m.) |
3,54 mg/mL | - | siehe Fachinformation | - | Akute Anaphylaxie: nur bei Erwachsenen Kardiopulmonale Reamination: Kinder |
| FASTJEKT® Junior 150 Mikrogramm | Autoinjektor | 150 μg/Pen (0,3 mL) | i.m. | „natriumfrei“ | Natriummetabisulfit (0,5 mg/Dosis) | Blaue Kappe entfernen. Injektion in Außenseite des Oberschenkels (orangefarbene Spitze in Richtung Oberschenkel), drücken bis zum Klick, min. 3 sec in dieser Stellung festhalten. | BfArM (Blaue Hand) | Kinder 7,5 kg bis 25 kg Körpergewicht |
| FASTJEKT® 300 Mikrogramm | Autoinjektor | 300 μg/Pen (0,3 mL) | i.m. | „natriumfrei“ | Natriummetabisulfit (0,5 mg/Dosis) | siehe Fastjekt Junior | s.o. | Erwachsene und Kinder ≥25 kg Körpergewicht |
| Jext | Autoinjektor | 150 μg/Pen (0,15 mL) 300 μg/Pen (0,3 mL) |
i.m. | „natriumfrei“ | Natriummetabisulfit | Gelbe Kappe entfernen, Injektion in Außenseite des Oberschenkels (schwarzer Nadelschutz in Richtung Oberschenkel), drücken bis zum Klick, 10 sec halten. | BfArM (Blaue Hand) | 150 μg: Kinder ≥15 kg bis <30 kg (Kinder <15 kgKG nur bei lebensbedrohlicher Situation unter medizinischer Aufsicht) 300 μg: Kinder und Jugendliche ≥30 kg |
| Anapen Junior | Autoinjektor | 150 μg/Pen (0,3 mL) | i.m. | „natriumfrei“ | Natriummetabisulfit | Schwarze Kappe entfernen. Graue Kappe vom roten Auslöseknopf entfernen. Nadelende gegen die Außenseite des Oberschenkels halten. Den roten Auslöseknopf drücken, bis zum Klick., 10 sec halten. Injektionsanzeige muss rot sein. Nadel mit schwarzer Nadelkappe wieder abdecken. | BfArM (Blaue Hand) | 150 μg: abhängig vom Körpergewicht des Kindes und nach dem Ermessen des Arztes (Kinder <15 kgKG nur bei lebensbedrohlicher Situation unter medizinischer Aufsicht) |
| Anapen | 300 μg/Pen (0,3 mL) |
300 μg: Kinder und Jugendliche ≥30 kg | ||||||
| Anapen | 500 μg/Pen (0,5 mL) | 500 μg: Erwachsene | ||||||
| EURneffy | Nasenspray, Lösung in Einzeldosisbehälter | 1 mg 2 mg |
nasal | k.A. | Benzalkoniumchlorid Natriummetabisulfit |
Nasenspray nicht vorpumpen und nicht in die Augen oder den Mund sprühen | BfArM (Blaue Hand) | ≥4 Jahre, ≥15 kg |
„natriumfrei“: weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Einheit; k.A.: keine Angabe
Die Fachinformationen wurden am 13.07.2026 aufgerufen.
Neben den aufgeführten Präparaten befinden sich diverse weitere Fertigarzneimittel im Handel.
Anwendungshinweis:
Lieferengpässe für Humanarzneimittel in Deutschland (ohne Impfstoffe)
| Herz-Kreislauf-Stillstand (kardiopulmonale Reanimation) |
|---|
|
| Anaphylaxie, Anaphylaktischer Schock |
|---|
|
| Kreislaufinsuffizienz |
|---|
Keine Informationen zur Dosisanpassung bei Nierenfunktionsstörung vorhanden.
Nasal:
Es gab keine klinisch relevanten Unterschiede hinsichtlich der Sicherheit zwischen pädiatrischen und erwachsenen Populationen.
[SmPC Eurneffy]
Bei intravenöser/intramuskulärer Anwendung:
Häufigkeit nicht bekannt: Hyperglykämie, metabolische Azidose, Hypokaliämie, Hypomagnesiämie, Unruhe, Nervosität, Angst, Halluzinationen, psychotische Zustände, Schwindel, Kopfschmerzen, Tremor, zerebrale Krampfanfälle, Unsicherheitsgefühl, Mydriasis, myokardiale Ischämie, Myokardschädigung, Stress-Kardiomyopathie, Tachykardie, Extrasystolie und andere tachykarde Arrhythmien bis hin zum Kammerflimmern und Herzstillstand; Palpitationen, Angina pectoris, Koronararterienspasmus, in vielen Stromgebieten Vasokonstriktion (insbesondere im Bereich der Haut, der Schleimhäute und der Nieren); Kältegefühl in den Extremitäten, Hypertonie, unter Umständen mit der Gefahr von Hirnblutungen, Dyspnoe, Lungenödem, Hypersalivation, Übelkeit, Erbrechen, Blässe, Hyperhidrose, Muskelkrämpfe, Oligurie, Anurie, Miktionsschwierigkeiten, Asthenie, ischämische Nekrosen im Anwendungsgebiet (z.B. an der Haut), insbesondere bei para- oder perivasaler Gabe
Autoinjektions-Pen: Infektionen an der Injektionsstelle, periphere Ischämie infolge versehentlicher Injektion in Hände oder Füße
Die vollständige Auflistung aller unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
Bei nasaler Anwendung:
Sehr häufig (>10 %): Kopfschmerzen, Nasenbeschwerden, Halsschmerzen, Nervosität
Häufig (1-10 %): Angst, Tremor, Parästhesie, Palpitationen, Rhinorrhö, Nasenödeme, Nasenschmerzen, Nasenverstopfung, Nasenjucken, erhöhter Blutdruck, erhöhte Herzfrequenz
Gelegentlich (0,1-1 %): euphorische Stimmung, Nervosität, Schwindel, Kopfbeschwerden, Präsynkope, verstärkte Tränensekretion, oropharyngeale Schmerzen, Niesen, intranasale Parästhesie, Beschwerden der Nasennebenhöhlen, Epistaxis, Trockenheit der Nase, trockener Hals, Verstopfung der oberen Atemwege, Erkrankung der Nasenschleimhaut, Übelkeit, Parästhesie im Mundraum, übermäßige Speichelsekretion, Zahnschmerzen, Zahnfleischbeschwerden, Pruritus, Brustkorbbeschwerden, vermehrte Energie, Müdigkeit, Hitzegefühl, erhöhte Körpertemperatur
Häufigkeit nicht bekannt: Desorientiertheit1, eingeschränktes Erinnerungsvermögen1, Panikreaktion1, psychomotorische Hyperaktivität1, Schläfrigkeit1, Angina1, Herzarrhythmien1, Stress-Kardiomyopathie1, Tachyarrhythmie1, Tachykardie1, ventrikuläre Ektopie1, Hypertonie1, Vasokonstriktion1, Parästhesie1
1Nebenwirkungen, die in klinischen Studien mit nasalen Adrenalin nicht beobachtet wurden, aber bekanntermaßen bei anderen Adrenalin-Formulierungen, einschließlich intravenöser, intramuskulärer und subkutaner Verabreichung, auftreten.
Die vollständige Auflistung aller unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
Haben Sie den Verdacht auf eine Nebenwirkung?
Die Meldung ist sehr wichtig, um das Nutzen-Risiko-Verhältnis eines Arzneimittels ständig zu überwachen. Das gilt besonders, wenn Medikamente bei Kindern außerhalb der zugelassenen Anwendung (off-label) eingesetzt werden.
Die Anwendung im Rahmen einer Reanimation oder zur Behandlung schwerer anaphylaktischer/anaphylaktoider Reaktionen kann im Einzelfall auch in Gegenwart einer der oben genannten Gegenanzeigen gerechtfertigt sein.
Autoinjektions-Pens: Es sind keine absoluten Kontraindikationen für die Anwendung von Adrenalin bei einem allergischen Notfall bekannt.
Adrenalin darf nicht intraarteriell angewendet werden.
Die vollständige Auflistung aller unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
Gefahr der Extravasation: Zentralvenenkatheter. Gefahr einer renalen und mesenterialen Vasokonstriktion.
Für allgemeingültige Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen informieren Sie sich bitte in den aktuellen Fachinformationen.
Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.
| Adrenerge und dopaminerge Mittel | ||
|---|---|---|
| C01CA07 | ||
|
Neoatricon
|
C01CA04 | |
| C01CA26 | ||
|
Gutron®
|
C01CA17 | |
|
Arterenol®, Sinora®; Syn: Norepinephrin
|
C01CA03 | |
|
Biorphen®
|
C01CA06 | |
| Phosphodiesterasehemmer | ||
|---|---|---|
|
Corotrop®
|
C01CE02 | |
| Andere Kardiostimulanzien | ||
|---|---|---|
|
Simdax®
|
C01CX08 | |
| KARDIOSTIMULANZIEN, EXKL. HERZGLYKOSIDE | ||
|---|---|---|
| C01CA07 | ||
|
Neoatricon
|
C01CA04 | |
| C01CA26 | ||
|
Simdax®
|
C01CX08 | |
|
Gutron®
|
C01CA17 | |
|
Corotrop®
|
C01CE02 | |
|
Arterenol®, Sinora®; Syn: Norepinephrin
|
C01CA03 | |
|
Biorphen®
|
C01CA06 | |