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Glycopyrroniumbromid ist ein Anticholinergikum mit peripheren Wirkungen ähnlich denen des Atropins. Da es sich um eine quartäre Ammoniumverbindung handelt, es schwer fettlöslich ist und deshalb nicht ohne weiteres die Blut-Hirn-Schranke passiert, sind zentrale Wirkungen vernachlässigbar. Anticholinergika sind kompetitive Inhibitoren der Wirkungen von Acetylcholin an den Muskarinrezeptoren autonomer Effektorstellen, die von parasympathischen Nerven versorgt werden. Zusätzlich hemmen sie die Wirkung von Acetylcholin an glatten Muskeln bei fehlender cholinerger Innervation.
Pharmakokinetik bei Kindern
Die Kinetik von Glycopyrronium bei Kindern >2 Monaten ist nicht altersabhängig. Es besteht eine erhebliche interindividuelle Variabilität [Rautakorpi 1994, Rautakorpi 1998].
Oral zur symptomatischen Behandlung von schwerer Sialorrhö (chronischer krankhaft gesteigerter Speichelfluss) bei Kindern und Jugendlichen ab 3 Jahren mit chronischen neurologischen Erkrankungen:
Kinder und Jugendliche ab 3 Jahren:
Es sollte mit etwa 12,8 microg./kg Glycopyrronium pro Dosis (entspricht 16 microg./kg Glycopyrroniumbromid) dreimal täglich begonnen werden, gefolgt von einer Steigerung der Dosis alle 7 Tage. Die Dosistitration sollte fortgesetzt werden, bis sich Wirksamkeit und Nebenwirkungen die Waage halten. Gegebenenfalls sollte eine Anpassung nach oben oder unten bis zu einer maximalen Einzeldosis von 64 microg./kg Körpergewicht Glycopyrronium oder 1,9 mg Glycopyrronium (entspricht 2,4 mg Glycopyrroniumbromid) dreimal täglich erfolgen, wobei die kleinere Dosis maßgeblich ist.
[Ref.]
Intravenös zur Aufhebung neuromuskulärer Restblockaden durch nicht-depolarisierende Muskelrelaxantien:
Kinder und Jugendliche ≥1 Monat bis 12 Jahre: 10 microg./kg intravenös mit 50 microg./kg Neostigmin oder der entsprechenden Dosis Pyridostigmin. Glycopyrroniumbromid kann gleichzeitig in derselben Spritze mit den Cholinesterase-Hemmern angewendet werden, da diese Art der Anwendung zu einer höheren kardiovaskulären Stabilität führt.
Jugendliche ≥12 Jahren und Erwachsene: 200 Mikrogramm intravenös pro 1000 Mikrogramm Neostigmin, alternativ eine Dosis von 10 bis 15 microg./kg intravenös mit 50 microg./kg Neostigmin oder der entsprechenden Dosis Pyridostigmin. Glycopyrroniumbromid kann gleichzeitig in derselben Spritze mit den Cholinesterase-Hemmern angewendet werden, da diese Art der Anwendung zu einer höheren kardiovaskulären Stabilität führt.
Intravenös/Intramuskulär zur Anwendung als präoperatives Anticholinergikum:
Kinder und Jugendliche ≥1 Monat bis 12 Jahre: 4 bis 8 microg./kg bis zu maximal 200 Mikrogramm intravenös oder intramuskulär vor der Anästhesieeinleitung. Höhere Dosierungen können einen starken und lang anhaltenden Speichelfluss hemmenden Effekt hervorrufen, der für den Patienten unangenehm sein kann.
Jugendliche ≥12 Jahren: 200 bis 400 Mikrogramm intravenös oder intramuskulär vor der Anästhesieeinleitung. Alternativ kann eine Dosis von 4 bis 5 microg./kg bis zu maximal 400 Mikrogramm angewendet werden. Höhere Dosierungen können einen starken und lang anhaltenden Speichelfluss hemmenden Effekt hervorrufen, der für den Patienten unangenehm sein kann. Bei intramuskulärer Anwendung, sollte die Anwendung 30-60 Minuten vor der Anästhesieeinleitung erfolgen.
Intravenös zur Anwendung als intraoperatives Anticholinergikum:
Kinder und Jugendliche ≥1 Monat bis 12 Jahre: Es sollte eine Einzeldosis von 200 Mikrogramm als intravenöse Injektion angewendet werden. Alternativ kann eine Einzeldosis von 4 bis 8 microg./kg bis zu maximal 200 Mikrogramm als intravenöse Injektion angewendet werden. Diese Dosis kann, falls erforderlich, wiederholt werden.
Jugendliche ≥12 Jahren und Erwachsene: Es sollte eine Einzeldosis von 200 bis 400 Mikrogramm als intravenöse Injektion angewendet werden. Alternativ kann eine Einzeldosis von 4 bis 5 microg./kg bis zu maximal 400 Mikrogramm angewendet werden. Diese Dosis kann, falls erforderlich, wiederholt werden.
[Ref.]
Präparate im Handel
Lösung zum Einnehmen (Glycopyrronium) 320 µg/mL bzw. 160 µg/mL Injektionslösung (Glycopyrroniumbromid) 200 µg/mL
Einnahme mind. 1 h vor oder max. 2 h nach einer Mahlzeit. In gleichbleibenden Zeitabständen zu den Mahlzeiten einnehmen. Fettreiche Nahrungsmittel vermeiden. Ist aufgrund der speziellen Bedürfnisse des Kindes eine gleichzeitige Einnahme mit Nahrung erforderlich, sollte die Einnahme des Arzneimittels immer während der Mahlzeiten erfolgen. Verabreichung gemäß Fachinformation.
Die Produkte Sialanar und Rybrila sind NICHT austauschbar aufgrund der unterschiedlichen Bioverfügbarkeit. Die Bioverfügbarkeit von Sialanar ist 20 % höher als die von Rybrila. Dies hat Auswirkungen auf die Dosierungsempfehlungen, sodass separate Dosierungen im Folgenden gegeben werden. Zudem ist Sialanar doppelt so hoch konzentriert wie Rybrila, sodass das Volumen der Dosis bei der Verwendung von Sialanar geringer ist. Das Dosierungsvolumen könnte ein wichtiger Aspekt bei der Verabreichung bei Patienten mit Hypersalivation sein.
Initialdosis:Glycopyrronium:
38,4
microg./kg/Tag
in 3
Dosen. Maximale Einzeldosis:
1,9 mg/Dosis.
Erhaltungsdosis:
Abhängig von Wirksamkeit und Verträglichkeit alle 5 - 7 Tage in Schritten von 38,4 microg./kg/Tag erhöhen auf
76,8
- 192
microg./kg/Tag
in 3
Dosen. Max: 5,7 mg/Tag.
Maximale Einzeldosis:
1,9 mg/Dosis.
In Einzelfällen wurden Dosen von 656 microg./kg/Tag (Glycopyrronium) beschrieben.
Initialdosis:Glycopyrronium:
48
microg./kg/Tag
in 3
Dosen. Maximale Einzeldosis:
2,4 mg/Dosis.
Erhaltungsdosis:
Abhängig von Wirksamkeit und Verträglichkeit alle 5 - 7 Tage in Schritten von 48 microg./kg/Tag erhöhen auf
96
- 240
microg./kg/Tag
in 3
Dosen. Max: 7,2 mg/Tag.
Maximale Einzeldosis:
2,4 mg/Dosis.
Bei einem GFR <30 ml/min/1,73 m2 ist das Risiko anticholinerger Nebenwirkungen erhöht. Eine Dosissenkung kann erforderlich sein.
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern
Bei oraler Anwendung:
Sehr häufig (≥10 %): Reizbarkeit, Hautrötung mit Hitzegefühl, verstopfte Nase, verringerte Bronchialsekretion, Mundtrockenheit, Obstipation, Diarrhoe, Erbrechen und Harnverhalt
Häufig (1 - 10 %): Infektionen der oberen Atemwege, Lungenentzündung, Harnwegsinfektionen, Unruhe, Schläfrigkeit, Nasenbluten, Hautausschlag und Fieber
Des Weiteren wurden beobachtet: Unruhe, überaktives Verhalten, Konzentrationsstörungen, Schüchternheit, Ängstlichkeit, Traurigkeit, Weinen, Frustration, Wutanfälle, Stimmungsschwankungen und Schlaflosigkeit, Engwinkelglaukom, Photophobie, Augentrockenheit, transiente Bradykardie, Sinusitis, Übelkeit, Hauttrockenheit, Inhibition des Schwitzens, Harndrang, Angioödem und Überempfindlichkeitsreaktionen, Verringerung von Neutrophilen, Erythrozyten, Monozyten, Kreatinin, Kohlendioxid, Bikarbonat
Bei intravenöser oder intramuskulärer Verabreichung:
Maligne Hyperthermie und insbesondere bei Kindern Herzrhythmusstörungen (einschließlich Bradykardie, ventrikulärer Tachykardie und Kammerflimmern), Herzstillstand, Hypertonie, Hypotonie, Krämpfe und Atemstillstand.
Boriosi et al. 2022 beschreiben eine höhere Prävalenz von Atemwegsobstruktion, Notfallintervention und Laryngospasmus, wenn ein Anticholinergikum (Glycopyrronium oder Atropin) im Vergleich zu keinem Anticholinergikum bei der prozeduralen Sedierung in der Pädiatrie verwendet wird.
Darmverschluss, Colitis ulcerosa, paralytischer Darmverschluss, Pylorusstenose oder Myasthenia gravis in der Vorgeschichte
[Ref.]
Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern
Kindern unter 1 Jahr und Kinder mit Down-Syndrom, spastischer Lähmung oder Hirnschäden können besonders empfindlich auf anticholinerge Wirkungen reagieren. Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sollte aufgrund der verlängerten Clearance eine gute Überwachung erfolgen. Bei Kleinkindern kann eine paradoxe Übererregbarkeit auftreten.
MITTEL BEI FUNKTIONELLEN GASTROINTESTINALEN STÖRUNGEN
In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.
Andere Mittel bei funktionellen gastrointestinalen Störungen
Espumisan®, Lefax®, sab simplex®, Velgastin®; Syn.: Silikone, Simethicon
A03AX13
Referenzen
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Boriosi et al., Anticholinergics and serious adverse events in pediatric procedural sedation: a report of the Pediatric Sedation Research Consortium, Paediatr Anaesth, 2022, online ahead of print
Clinigen Healthcare B. V., SmPC Rybrila 160 Mikrogramm/ml Lösung zum Einnehmen (2205346.00.00), 10/2021
Änderungsverzeichnis
22 November 2023 16:19: Änderung der Bezugsgröße (Salz/Base) in den Präparaten für Sialanar und Rybrila zur Vereinheitlichung mit den Angaben in den Dosierungsempfehlungen
24 Januar 2023 15:10: Spezifizierung der Bezugsgröße (Salz/Reinstoff). Die Dosierungen beziehen sich teilweise auf Glycopyrronium, teilweise auf Glycopyrroniumbromid (abweichende Bezugsgrößen zwischen den Fachinformationen)
24 April 2022 11:40: Unerwünschte Arzneimittelwirkung gemäß Boriosi et al. 2022 hinzugefügt
22 Juni 2020 16:17: Dosis wurde in Initial- und Erhaltungsdosis umstrukturiert, um den langsamen Behandlungsbeginn besser widerzuspiegeln.